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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
muß schon im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts eine ziemlich be-deutende, vermutlich eine weit höhere gewesen sein, als sich jetzt nochnachweisen läßt. Wie heute, so gab es damals Originnlzcitungcn mitOriginalberichten und abhängige, die aus jenen schöpften, zuweilen mitAngabe der Quellen, wie um 1626 die Nürnberger uud BerlinerZeitungen, die ihre Nachrichten besonders der Kölnischen Zeitung ent-nahmen; die beiden Frankfurter Zeitungen, um 1630, zeichneten das, wassie voneinander entlehnten, durch kleinern Druck aus. Andere Ent-lehnungen gingen weniger sichtbar vor sich; wir grenzen an das Gebietder „Winkel- und Staudenschrcibcr", die, ohne selbst „ordentliche Briefe"von ausländischen Orten zn erhalten, schrieben, was sie „am Markt undanderswo aufklaubten", den ordentlichen Blättern ihre Zeitnngen „ab-fischten" (Nürnberger Beschwerde vom Jahre 1629 und 1631); einigeZeitnngen endlich, wie die Hildesheimer von 1619, druckten einfach nach(die Hildesheimer z. B. gedruckte und geschricbeue Nürnberger Zeitungen).Die deutsche Presse war auch im Ausland verbreitet und benutzt. Blätter,wie die Köluische Zeitung und andere, wurden in Holland, Frankreich ,England, Italien, der Schweiz gelesen; der Londoner Lnsäisli IntsUi-1632/33, gibt in der Vorrede zum ersten Teile die deutschenWochcnzeitungen ausdrücklich als Quellen an.
Wir mußten diesen Blick auf das Zeitungswescn der vor uusermZeiträume liegenden Periode werfen, einmal, um einen Maßstab für diekünftigen Fortschritte auf diesem Gebiete zu gewinnen, sodann aber auchdeshalb, weil der Zuschnitt des Zeitnngswesens nach dem WestfälischenFrieden zunächst uud im ganzen derselbe blieb wie vor ihm. Wirhaben mit unserm Rückblick die zu den altzcitlichen Merkmalen unseresZeitraums zählenden Verhältnisse der periodischen Littcratur überschaut,von deren Untergründe die nun sich entwickelnden neuzeitlichen sich ab-zuheben haben. DwZeituug behält ihren rein berichtenden Charakter; wirwerden hier den entschiedenen Beginn einer Änderung erst im nächstenZeiträume, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, feststellen dürfen;sie hält sich nach wie vor im ganzen gleichmäßig fern von einer Pflegeder örtlichen Interessen einerseits, der Fragen inncrpolitischen Charaktersandrerseits. Wir finden noch im 18. Jahrhundert Zeitnngstitel von einerWeitschweifigkeit, wie sie später nicht mehr denkbar war. Die Zeitungbehält ihr bescheidenes Format und einen bescheidenen Umfang; nach