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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Das Zeitungswescn seit 1648; die geschriebene Zeitung.

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wie vor ließen sich Fürsten , Städte, einzelne Privatleute aus Brenn-punkten des Verkehrs (z. B. 1662 Delitzsch aus Leipzig für vierteljähr-lich zwei Neichsthaler) von Zeitungsschreibern schriftliche Avisen zuschicken.Wenn eine über das Zeitungswescu handelnde Schrift °" vom Jahre 1703von den Zeitungen spricht, die hin und wieder in den Posthciuscrn um-laufen und hcruach durch wöchentlich gedruckte Blüttchcn zu jedermannsWissenschaft in unterschiedlichen Sprachen gebracht werden, und weitervon den Staatsbedienten und Hofleuten und den Gelehrten, Handelsleutenund andern, die das Vermögen haben, auf Novitäten ein Stück, Geldzu verwenden und viel Dinge mit mehrerer Gewißheit durch ihre Kor-respondenten ans fremden Orten erfahren, während die andern, dienicht durch Stellung und Vermögen dazu im Stande sind, sich der ge-druckten Zeitungen bedienen müssen so sehen wir hier noch genau die-selben Verhältnisse vor uns, wie sie schon hundert Jahre vorher bestandenhatten: die bei den Posthänscrn einlaufenden schriftlichen Ordinarizeitungen,die hauptsächlich auf ihuen beruhende, inhaltlich beschränkte gedruckte Wocheu-zeitung, die wertvollere schriftliche Zeitung, die nur leider für das großePublikum zu teuer ist. Aber die Herrschaft der geschriebenen Blätterwar von noch viel größerer Bedeutung und weiterer Ausdehnung; nochjetzt, in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, spielte sich iu Städtenwie Nürnberg ein wahrer Kampf zwischen gedruckter und geschriebenerZeitung ab. Im Jahre 1673 reichten zwei Nürnberger Novellanten beimRate daselbst Beschwerde ein", daß Wolf Ebcrh. Felsecker sich unterstehe,drei bis vier Zeitungen wöchentlich zu drucken und zu verkaufen, wodurcher ihneu an ihrem Stücklein Brot großen Schaden thue, da sie schon soviele Jahre auf die Zeitungsschreibern so groß Geld aufgewendet. Siebeantragten, Felöecker anzubefehlen:sich dieses Drückens uud unsrcrBrodtscntwendung, in deine nicmalen gestattet worden, dergleichen all-hier zu drucken oder zu vcrkanffcn, gcutzlich zu enthalten j:dann nimmer-mehr ein Zeitungsschreiber bey einem Drucker ausikommen wird, weilndieser allein in einer Stuudt mehr alß jener mit 2 oder 3 Copistenverrichten kann:j" Felseckcr rechtfertigte sich damit, daß er wöchentlichhöchstens zwei Nnmmcrn drucken lasse, daß seine Quellen die gewissestenSchreiben Nürnberger Kaufherren (wobei jederzeit einzweiffelwort",als:man will sagen" oder dergleichen beigesetzt werde) und die ge-druckten Zeitungen von Frankfurt und Leipzig seien aus denen auch die