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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Der Büchermarkt,

titcl angewachsen, Kommt diese hohe Zahl freilich nur dadurch zu stände,daß dabei, willkürlich und lückenhaft, auch das eigentliche Zcituugswesenberücksichtigt ist: groß war die Zahl der Journale trotzdem, und denZeitgenossen erschien sie ungeheuer. Schon drei Jahrzehnte vor demEntstehen des Schwabeschcn Verzeichnisses, im Jahre 1715, warenZchildernngen möglich, wie die,daß viele Buchläden nicht mehr Buch-lcidcn, sondern 5oni'im1-Lädcn heißen möchten, auch die Buchhändler mehr^«nrmrl-^lkmoriüls als Bücher->1smorm1e zu sxi»6<liren und zu ver-schicken hätten, sodaß es schier noth thäte, sie hielten nebst den ordentlichenDienern auch eigene ^oni'imI-Lkei'swrios, die den Auswärtigen nurNachricht gäben, welche Journale heraus und wie weit sie eontinuirtwären". °6 Der Kampf zwischen Zeitschrift und Buch begann. Pro-fessoren klagten darüber, daß junge Leute durch Lesung der Journalevon Lesung ganzer Bücher und von gründlichen Studiis abgehaltenwürden^; eine Berliner Schrift vom Jahre 1716 erklärte die Journaleersteus für bctrüglich, weil die Journalisten bestochen würden, oft Affektehegten und eins aus dein andern schrieben, zweitens für unnütz, weil Ge-lehrte sie nicht läsen und Studiosi wenig oder nichts daraus profitiertenund die Zeit verdürben, drittens für staatSgefährlich.^ Andere wiederverteidigten die Journale.^ Auch hier strömte eine Schar von Disser-tationen, Programmen und sonstigen akademischen Schriften herzu.

Die hervorragendsten und verbrcitetsten allgemeinen Journale warcudie Deutschen ^.eta, Lrucliwi'unl (Leipzig 17121758, seit 1740Zu-verlässige Nachrichten") und die Neuen Zeitungen von Gelehrten Sachen(Leipzig 17151797), die erste gelehrte Zeitschrift, die wöchentlichseit 1717 in zwei Nummern erschien und nicht aus selbständigen Ar-beiten oder auch nur läugcrn Neccnsioncn bestand, sondern nur aus ein-laufenden Briefen und Korrespondenzen zusammengetragen wurde.

Leipzig und Halle waren die Mittelpunkte des gelehrten Journalismus,der littcrarischen Kritik, in erster Linie Leipzig . Nack) einemBoll-ständigen Verzeichnis^" aus dem Jahre 1802 °" erschienen in Leipzig von1682 bis 1739 25 (darunter acht lateinische) von Leipziger Gelehrtenherausgegebene gelehrte Zeitschriften (davon die meisten, neun, im zweitenJahrzehnt des 18. Jahrhunderts). Hier erschienen die wirklich allge-mein-deutschen Journale, im übrigen Norddeutschland nur gelehrteOrgane der provinziellen Interessen in Mecklenburg , Preußen,