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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
„zu Nutz und Frommen des Buchhandels" die sogenannten räsonnicrendenMcheranzcigen.
Johann Peter von Ludewig , der Kanzler der Universität Halle, hielt inder ersten Nummer der Wöchentlichen Hallischen Frage- und Anzeigungs-Nachrichten, 1729, dem preußischen Jntclligcnzblattwescn die Einführungs-rede. Staatsgeschichtcn, so sprach er, seien dem gemeinen Manne nurschädlich; es sei höchst überflüssig, daß sich der Kauf- oder Handwerks-mann den Kopf darüber zerbreche, ob die österreichischen Niederlande be-fugt seieu, in Ost- uud Westindien einen neuen Sechandel anzufangen;die Verbreitung der politischen Zeitungen sei mehr zu hemmen als zubefördern. Der „Intelligenz-Zettel" dagegen sei für Bürgers- undBauersmann von wahrem Nntzen und Segen. Er unterrichtet darüber,was in der Stadt zu kaufen und zu verkaufen ist, in den Familien-nachrichten nimmt der Leser an Freud und Leid der Nachbarn Teil, derThorzettel befriedigt die Neugier des Bürgers, der zu wissen begehrt,was für Fremde zugereist sind, an den Steckbriefen kann sich jedermannein warnendes Beispiel nehmen, die Wctterprophezeiungcn sind wertvollfür den Landinann. Aber obgleich der lebhafte Einspruch, den die preußi-schen Zeituugsbesitzer gegcu den Jntelligenzblattzwang erhoben, zeigt, wiewichtig das Inserat damals bereits für die deutsche Zeitung war, habensich die Jntelligenzblätter in? allgemeinen doch nur schwer und langsameingebürgert. An die Zeitung als systematisch und umfassend gehand-habtcs Mittel des öffentlichen Nachrichtcnverkehrs mußte sich das deutschePublikum erst gewöhnen, und gauz geschwunden ist diese Scheu vor derÖffentlichkeit nicht eher als im 19. Jahrhundert. „Schnacken-Hansenund Possenreißer" kränkten die Herausgeber, belustigten das Publikum„aus Trieb ihres niederträchtigen Gcmüths" mit Einsendung erdichteterAnzeigen, und als Frankfurt gleich im ersten Jahrgang seines Jntelligenz-blatts die Namen der Getauften, Proklamierten, Kopulierten und Be-erdigten einrücken ließ, liefen von Eltern und Verwandten die heftigstenProteste ein. Nicht anders dachten aber auch städtische Behörden. Leipzig hat infolge des Ratswiderstands ein Jntelligcnzblatt (aus dem dasLeipziger Tageblatt hervorging) erst im Jahre 1763 erhalten. DerLeipziger Buchhändler Dav. Richter mußte seinen „Frag- und Anzeiger",den er im Jahre 1733 gründete, infolge der Ccnsurschwierigkeitcn, dieihn? der Rat machte, schon nach einigen Monaten eingehe?? lassen. Als