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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Jntelligcnzblätter.

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1737 von anderer Seite um Konzession und Exklusivprivilegieruug desUnternehmens nachgesucht wurde, scheiterte das Gesuch an einem Gutachten,in dem die Bücherkommission in Gestalt einer Kritik desHnllischen In-telligenz Zcddcls" die Schädlichkeit der Jntelligenzblütter nachwies. Manfand in dein Halleschen Blattegar wenig, daraus dem Publica einBorthcil zuwachsen tönte, vieles auch, welches zu publiciren bedenklich ge-schienen". Die Nummern des Halleschen Blattes wurden eingeleitet miteiner von einem der Professoren verfaßten und auf den Zeitlauf gerich-teten historischen Relation, z. B. der Beschreibung der SalzburgischenEmigration, oder einem Kommentar über die neuern Lcmdesgcsetze; darauffolgten Büchcrreccnsionen und dann die Anzeigen der in und außerhalbHalle zum Verkauf stehenden Grundstücke und andern Sachen, der inbenachbarten Ämtern und Gerichten konfirmierten Käufe, gestohlenerSachen, die Liste der in Halle angekommenen und wieder abgereistenPersonen, Verzeichnisse der Geborenen, Verstorbenen und Verheirateten,Braulose (in Halle war das Brauen nach dem Lose üblich), Preise vonViktualien. Das Gutachten findet die Büchcrreccnsionen dein Privilegder Lrnäiwrura zuwider, die öffentliche Bekanntmachung der zumKauf feilstehenden Häuser dem Lokalkredit höchst nachteilig, die Veröffent-lichung der Namen derjenigen, welche von den Müttern unehelicher Kinderals deren Väter angegeben würden, nicht ohne Bedenken; die Liste derVerstorbenen habe man in Leipzig im Gegenteil stets so viel als möglichunterdrückt,damit die gefährlichen Nachbarn nicht Gelegenheit habenmöchten, von dießer Stadt, insonderheit gegen die Mcßen, an die aus-wärtigen etwas nachtheiligeö zu schreiben"; die Bekanntmachung der an-kommenden Fremden konnte nach der Ansicht der Bücherkommission nie-mandem nützen als denen,so die frembden mit ihren Zuspruch zu in-commodiren pflegen"; Preisverzeichnisse der Viktualien waren nachihrer Ansicht zwecklos, weil sie von Woche zu Woche schwankten; einMs pronidönäi auf die Bekanntmachung gestohlener Gegenstände wurdefür ganz unmöglich erklärt. Immerhin, der Anfang war gemacht,und die neue Einrichtung faßte mehr und mehr Fuß. Im Jahre1724 wurde in Hamburg ein zweites, 1725 wurde in Hanau , 1728in Basel, 1730 in Dresden, 1732 in Straßburg und Hannover , 1734in Weimar, 1736 in Stuttgart, 1740 in Ansbach ein Jntelligenzblattgegründet.

Geschichte des Deutschen Buchhandels. II. 5