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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Der Büchermarkt.

Gerade das Gebiet der periodischen Litteratur zeigt den fortschrittlichenCharakter des geistig-litterarischen Lebens Deutschlands von der Mitte des

17. bis gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts aufs schlagendste: das fort-schrittliche literarische Leben Deutschlands wurde intensiver, deutscher, nord-deutscher. Und ist uns diese Wandlung einmal auf einen: Gebiete auf-gegangen, dann entdecken wir jene fortflutende Strömung, die sich durch dasaltzeitlichc Netzwerk hindurchbewegt, leicht auch auf allen andern Gebieten.

Werfen wir, ehe wir den die periodische Litteratur einschließendenGesichtskreis zu dem die litterarische Produktion überhaupt umschließendenausdehnen, einen Blick auf das Bibliothekswesen und die äußere Er-scheinung des Buches. Die öffentlichen Bibliotheken werden zahlreicher;raumsparende Aufstelluug wird allgemeiner; Kataloge werden angefertigtund gedruckt; man schreibt über die Pflichten des Bibliothekars, überWesen, Nutzen, Einrichtung der Bibliotheken; eine Geschichte des Biblio-thekswesens entsteht, wie wir werden davon in einem spatern Kapitelzu redeu haben eine Geschichte der Bücher, der Gelehrten, der Litteratur.Im Jahre 1664 erschien in Zürich ^oli. Umir. HottinM'i LidliMiees-rinL ^n!uii'iMi't.iwL, 1696 in Jena Bure. G. Struves Geschichte derBibliotheken und Bibliothekare aller Zeiten (Lm'stolg, Od. Lollarinmsw.), von andern Schriften zu schweigen; Lambeck, der kaiserliche Hof-bibliothckar zu Wien (f 1680), macht diese Dinge zum Gegenstand öffent-licher Vorträge; sie bilden die Einleitung in das Studium der Erfahrungs-wisscuschaften: 1670 (Helmstedt ) erscheint Voglers Introäuetio . . innotitmm . . bonorum s<:riz)t.orum, 1695 (Lüneburg ) Morhofs Polyhistor.

Die Universitätsbibliotheken waren im allgemeinen in beständigein,teilweise starkem Wachstum begriffen. Stark wenigstens für damaligeVerhältnisse; die meisten deutschen Universitätsbibliotheken traten ins

18. Jahrhundert mit einem Besitz von einigen oder mehreren tausendBänden ein, blieben also hinter den großen Privatbibliotheken zurück.In dem Bibliothckskatalog der Universität Greifswald sind bis zum Jahre1713 gegen 1100 Bände eingetragen, im Jahre 1748 waren es ihrer5286; die Universitätsbibliothek iu Wittenberg zählte 1690 4390, diezu Herborn im Jahre 1770 9870 Bände. Kräftiger gediehen in diesemZeitalter fürstlichen Glanzes die Hofbibliothekcu. Die WolfenbttttclcrHofbibliothek zählte 1666 18413 Werke oder 116 359 Bände. Zu denbedeutendsten gehörten die großen Stadtbibliotheken: die Hamburger zählte