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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Fortschritte im Bibliothekswesen.

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schon im Jahre 1700 25000, die Leipziger im Jahre 1711 14000und im Jahre 1733 30000 Bände. Bezeichnend für die Geschichtedes Bibliothekswesens im 17. Jahrhundert aber ist es, daß die Ver-waltung der größern Bibliotheken eine geordnetere zu werden begann,indem, ganz entsprechend der Entwickclung der diesbezüglichen Littcratur,mehr und mehr mit bibliothekarischen Kenntnissen ausgerüstete Gelehrtean ihre Spitze gestellt wurden, daß eine Ermöglichung der Regelmäßig-keit der Vermehrung des Bestands angestrebt wurde, und daß wir einHiudrängeu zu größerer Öffentlichkeit der Bibliotheken gewahren. DieUniversitätsbibliotheken waren lange Zeit, und so auch in unserm Zeit-räume noch, in der Hauptsache auf Schenkungen und Vermächtnisseangewiesen. Die Geschichte der Gießener Universitätsbibliothek zählt imVerlaufe der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 117 Schenkgeber, dieihr zusammen 40 Neichsthaler, 12 Gulden und 536 Bücher verehrten;1753 fiel ihr ein Vermächtnis von ca. 3300 Bänden zu. Die Biblio-thek der Universität Herborn zählte im Jahre 1607 964 Werke, imJahre 1770, wie wir vorhin hörten, 9870 Bände: und diese Ver-mehrung ist fast ausschließlich auf dem eben genannten Wege zu Standegekommen; in den Jahren 1667, 1674 und 1686 fielen ihr drei Pro-fcssorenbibtiothcken von über 900, ca. 3600 und annähernd 2600 Bändenzu. Ähnlich waren die Verhältnisse im städtischen und kirchlichen Bibliotheks-wesen. Der Danziger Bibliothek erstanden in den ersten drei Viertelndes 17. Jahrhunderts etwa 100, der Hamburger von 1649 bis 1691gegen 50 Schcnkgeber. Die pommersche Kircheuordnung von 1690 schreibtden Pfarrherreil vor, die Leute zu bitten und zu ermahnen, daß siedurch Testamente der Kirchen Libcrcicn verbesserten. Indessen ist, wiegesagt, hierin seit dem 17. Jahrhundert eine Wendung zum Bessern zuverspüren. Besondere Verordnungen die Vermehrung der Bibliothekenbetreffend wcrdeu häufiger. An den Universitäten mußten vielfach dieGraduierten an die Bibliothek einige Thaler oder Bücher schenken; andie öffentliche Bibliothek zu Lübeck mußten 2 "/ der Einnahmen aus denBüchcrauktioucn abgeführt werden; in Regcnsburg hatte jedes ucuc Nats-mitglied für die Bücherei einen Beitrag von 50 Gulden, in Eisenach jederneue Pfarrer einen solchen von zwei Ncichsthalern für die Kirchcnbibliothekzu leisten; in Detmold wurde von den angehenden Advokaten, in Hcilbronnvon jedem Ncunngcstclltcn eine BibliothckSsteuer erhoben; in Ansbach