Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

2. Kapitel: Der Büchermarkt.

hatte seit 1731 jeder neue Staatsbeamte je nach Art seines Amts zweibis acht Gulden an die Bibliothek abzuführen; die Stuttgarter Negierungs-bibliothek wurde 1624 aus den Strafgeldern der fürstlichen Kammer be-gründet (jährlich 50 Gulden, die dann 1766 an die neue öffentlicheBibliothek kamen) und bekam außerdem 15 Gulden Zins von einem dazubestimmten landwirtschaftlichen Kapital, die Privileggeldcr der Stuttgarter und Tübinger Buchhandlungen (ebenfalls bis 1766) und seit demBefehl vom Jahre 1710 alle württembcrgischen Pflichtexemplare.^Der kurfürstlichen Büchersammlung zu Berlin flössen von 1664 bis1692 jährlich im Durchschnitt 324 Thaler Straf- und Dispensations-gclder zu. Ähnliche Bestimmungen waren auch in anderen Orten ge-troffen. Größeren Bibliotheken wurden auch schon bestimmte Jahresgeldcrausgesetzt. In älterer Zeit begegnet dies nur ganz vereinzelt, wie z. B.in Augsburg , wo die Stadtbibliothek aus dem Ärar jährlich 50 Guldenerhielt. Bei den kirchlichen Büchereien, die allerdings selbst in dengrößeren Städten von besonders mäßigem Umfange blieben, waren wohlöfters kleine Stiftungsknpitalien vorhanden, dcrcu Zinsen zur Instand-haltung und Vermehrung dienten. Ein Beispiel einer solchen Kirchen-bibliothek ist die Rostockcr zu St. Marien, die, ohne daß Schenkungenhäufiger zu verzeichnen sind, das ganze 17. Jahrhundert hindurch regel-mäßig verwaltet und fortdauernd vermehrt wurde; im Jahre 1699 hattesie es auf gegen 600 Werke gebracht. Die Gründung der Schulbibliothekcufällt sicher oder wahrscheinlich in unscru Zeitraum; eine Zusammenstellungzählt, ohne Vollständigkeit zu erstreben, deren hundert auf. Dabei be-stand ein unverkennbares Hindrängen zu größerer Öffentlichkeit; nament-lich viele fürstliche und städtische Sammlungen werden ausdrücklich alsöffentlich erklärt; die kurfürstliche, dann königliche Bibliothek zn Berlin war seit 1693 mehrere Stunden täglich, 1734 ihr Lesesaal täglich sechsStunden geöffnet; an großen Handelsplätzen entstanden kaufmännischeGcnosscnschaftsbibliothckcn, so in Hamburg 1735, schon vorher in Leipzig ;es treten verschiedene größere private Bibliothcksstiftungen mit der aus-gesprochenen Absicht ans Licht, der Gesamtheit zu dienen: schon im Dreißig-jährigen Kriege in Königsberg (Wallenrods, zu Ende des Jahrhunderts inBautzen (Gersdorff). °°

Wir haben von der äußern Erscheinung des Buchs gesprochen. Eineallmähliche Wandlung vollzog sich auch hier. Die Initialen verlieren nn