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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Der Buchhändler.

crMangel Bcrlags, sich seines diesfalls erlangten xrivileZii nicht ge-brauchen, noch diesen Orth mit allerhand inn- und außländischen Büchernversorgen können" °. Die Hallesche Waiscnhausbnchhandlung andrerseitswar in den ersten Jahren ihres Bestehens, 1«>931698, reine Verlags-handlung, der Umsatz geschah bloß gegen klingende Zahlung, und deshalbbetrachtete ihr Gründer, Aug. Herin. Frcmckc, die Geschäftstätigkeit jenerersten Jahre nicht als eigentlichen Buchhandel, sondern rechnete diesenerst von dem Zeitpunkt an, von dem ab das Waisenhaus im Standewar, mit dem Bnchhandel Tauschgeschäfte einzugehen"': eigentlicher Buch-handel war und als eigentlicher Bnchhandel galt nur der Tauschhandel.Bezeichnend ist u. a. dafür, daß später, als die Etablissement-Zirkulareaufkamen das erste gedruckte aus Lausanne 1737 von Marc-MichelBousquet ^ Comvagnie diesen gleich das NovitäteuvcrzcichuiS bei-gefügt wurde.

Die meßfähigen Verlegcrsortimcnter bildeten den Kern des deutschenBuchhandels der Tauschhandclszcit. Der reine Sortimenter, derBuch-führcr" im cngern Sinne, stand tief unter ihm; er mußte, wollte er dergünstiger» Bezugsinöglichkeit des Tauschvcrkehrs teilhaftig werden, andereMittel anwenden, deren sich auch der Verlegcrsortimcnter nicht seltenbediente: Übernahme von Selbstverlag, Beteiligung an fremden Unter-nehmungcu, Übernahme des Verlags besonders kleinerer Provinzialdruckerzum Kommissionsvertrieb, Partiezeichnungen lindem er sich zu größernPartiebczügcn verbindlich machte).

Auch auf dem Gebiete des Buchgewerbes wirkte das vom Zunftgeistbeherrschte Prinzip der mittelzcitlichen Arbeitsteilung. Es war der Re-gulator, der überall, wo es nur möglich war, dafür sorgte, daß Ver-flechtungen aufgelöst, Verbindungen zcrstückt, die verschiedenen Arbeits-gebiete abgegrenzt wurden und blieben, und der später, als beim Empor-streben großzügigeren Unternehmungsgeistes diese Fesseln unerträglichwurden, den auf umfassendere Vereinigung der getrennten Gebiete ab-zielenden Regungen die größten Hindernisse in den Weg legte. Zweiunscrm Gebiete speziell ungehörige Momente wirkten in derselben Rich-tung. Die buchgcwerblichc Entwicklung trug einmal von der Erfindungder Buchdruckerkunst an den Keim der Vorherrschaft des Handels überdie Vervielfältigung in sich. Schon bis zur Reformation hatte sich die