Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 
  

Verhältnis des Buchhändlers zum Buchdrucker.

u:;

Scheidung von Buchdruck und Buchhandel im wesentlichen vollzogen.Durch die Natur des Tauschhandels sodann wurde sie aufs kräftigsteunterstützt und befestigt. Bedurfte mau, um dcu Tauschvcrkehr zu pflegen,eigenes Verlags, so mußte der Drucker entweder zum Buchhändler werdenoder auf das Niveau des Hilfstechnikers herabsinken.

Es ist merkwürdig, wie lange in manchen Gegenden Deutschlands die Vorherrschast des Buchdruckers fortwirkte. Die Akten des ZüricherStaatsarchivs kennen bis in die ersten fünfziger Jahre des 18. Jahr-hunderts nur Buchdrucker, d. h. Gewerbetreibende, die den Buch-druck, Buchverlag und Sortimcntshandel ausüben, und Buchbinder. Erstbei der Verhandlung über die Frage, ob die in Zürich bestehendenfünfBuchdruckcreien" um eine neue vermehrt werden sollten oder nicht,im Jahre 1753, unterscheiden die Verordneten zum ersten mal aus-drücklich zwischen Buchdruckerei und Buchhandlung und behandeln dieFrage streng vom Gesichtspunkte der Buchdruckern im engern Sinneaus, und in den Jahren 1757 und 1760 werden Heidegger cd Comp,und Conrad und Salomon Gcßner zum ersten mal alsBuchhändler"bezeichnet; im Jahre 1765 ergehen die Vorschriften: ihre Kataloge jährlichzweimal zur Censur zu geben u. s. w., die bis dahin in genau derselbenWeise an dieBuchdrucker" gerichtet sind, zum ersten mal andieHerren Buchhändler", und in demselben Jahre begegnet, während bisdahin nur Buchdrucker, Buchbinder uud Buchkrämer auftreten, zumersten mal die Nebeneinandcrstellung:Alle H. Buchhändler, Buch-trucker, Buchbinder und Krämer.""

Im allgemeinen war in den Städten lebhafterer gewerblicher Kon-kurrenz die Scheidung zwischen Buchdruck und Buchhandel vollzogen.Als 1680 Fleischer in Frankfurt a. M. die Buchdruckcrei zum Schciuerlernen wollte, um die Berechtigung zur Führung einer Druckerei zuerlangen, wurde er von den Buchdruckcrgcscllschaftcn zu Leipzig , Jenaund Frankfurt a. M. abschlägig beschicken und mußte die Offizin,die er bereits erworben hatte, wieder verkaufen.^ Und wo uud soweitdie Scheidung zwischen Buchdruck und Buchhandel uicht vollzogen war,fanden zwischen beiden die unerquicklichsten Reibungen statt, umso mehr,als sich seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts bereits das neuzeitlicheBedürfnis nach einer neuen Verschmelzung bcmcrklich zu machen beginnt.Niemals war das deutsche Buchgewerbe von einer Verbindung der ver-