Bcrhältnis des Buchhändlers zum Buchdrucker und Buchbinder. 95
das Buchhändlerprivileg, das die Fiinfzchner in Strasburg im Jahre1753 den dortigen Buchhändlern ausstellten (27. Jan.), gestattet Buch-hüudleru und Buchdruckern den Verlagshandel, den Sortimcntshandclaber ausdrücklich nur den Buchhändlern und verbietet ihn den Buch-druckern;^ und in einem Schriftchcn über den österreichischen Buch-handel vom Jahre 1774 heißt es: einst in frühem Zeiten seien dieBuchdrucker zugleich Verleger und Sortimcnter gewesen, gegenwärtigseien das nur noch wenige; jetzt stelle der Buchdrucker nur noch einbloßes Werkzeug dar; der eigentliche Buchhandel sei ganz davon getrennt;und deshalb: was mau einst gesungen und gesagt zu Lob und Preisder Buchdruckcrkuust — von der Verbreitung menschlicher Kenntnisse u. s. w.— das gebühre nun in Wahrheit dem Buchhandel.^
Hören wir Ahasvcrus Fritsch und Adrian Beicr auch über dasVerhältnis des Buchhandels zu den Buchbindern. Der erstere be-zeichnete 1675 als Buchbinderbcfugnis das Einbinden der Bücher undden Verkauf der gebundenen Bücher^", der letztere 1690 außerdem speziellden Handel mit Kalendern nnd Elemcntarschulbüchern «„Katechismusund Donat").'" Sie haben im Grunde recht. Aber so schiedlich,friedlich freilich, wie namentlich Adrian Beier das Verhältnis darstellt:daß die Buchsührcr lieber mit rohen Materien handelten, den Buch-bindern die Kalender überließen und sich nie darüber beschwerten, daßdie Buchbinder die Elemcntarschulbücher unmittelbar von den „privilegierten Hofbuchdruckern" kauften und ihrerseits von ihrem Vertrieb sogut wie ganz absahen, vollzog sich die Abgrenzung nicht, und von deraußerordentlichen Bedeutung, die der Buchbinder als Buchhändler gehabthat, geben beide Angaben keine Vorstellung.
Und wie mit dem Verhältnis zwischen Buchhändlern nnd Buch-bindern, so war es auch mit dem zwischen Buchhändlern und Buch-druckern. Alle drei buchgewerblichcn Gebiete suchten gegenseitig aufein-ander überzugreisen; dabei standen aber an sich Buchdruck und Buch-binderei günstiger und geschützter da, weil sie mit Panzer und Schwertdes Zunftwesens gerüstet und umgürtet waren. Dazu kommt, daß inden Zeiten vor Erfindung der Buchdruckerkunst, als dem Unternehmernoch keine Druckcrpresse zur Verfügung gestanden hatte, die schwerfälligereHerstellung noch nicht entfernt die Menge des Materials hatte erzeugenkönnen, die nötig gewesen wäre, um einen reinen Handel in der Aus-