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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Der Buchhändler.

dehnung späterer Zeiten zu ermöglichen; und daß, indem der Druckerden neuen Buchhandel schuf, der Buchbinder aber bereit stand, ihn nebenihm aufzunehmen, während ein reiner seßhafter Handel in kleinerenStädten noch lange Zeit existenzunfähig blieb, wie er es ja in denkleinsten noch heutzutage ist jene Bindung des Handels an dieHerstellung in verschiedener Weise und Abstufung noch lange fort-wirken mußte.

Druckerei und Buchbinderei warenKünste". Man mußtekönnen",das Können erlernt haben, und nach Regel und Brauch erlernt haben.War der Buchhandel eine Kunst? Er war ein freies Gewerbe. KeineZunft und Ordnung; keine Formen und Gebräuche; keine Vorschriftenüber Länge der Lehrzeit; keine Bedingungen des Nachweises regelrechterErlernung. Und doch hatte der Buchhandel seine eigentümliche Berufs-aufgabe und mußte sie haben, wenn er existenzfähig sein wollte, und erwar sich ihrer deutlich bewußt: es war, rein fachmäßig ausgedrückt, dasHalten eines möglichst vollständigen Sortiments oder allgemeiner diemöglichst genügende Beschaffung des ganzen litterarischen Bedarfs. Wieoft haben die Buchhändler sich von Buchdruckern und Buchbindern vor-halten lassen müssen, daß sie vor den Buchhändlern gewesen seien.Gegen Ende des 16. Jahrhunderts sagten die Buchbinder in Breslau und die Buchdrucker in Leipzig nicht nur, daß Buchdrucker und Buch-binder, soweit sie nur dazu vermögend seien, im ganzen Römischen Reich und allen Orten der Christenheit von den lieben Alten vor Alters undseit Menschengedenken her nach rechtmäßiger, hergebrachter und beständigerGewohnheit ungehindert in offenen Buchlädeu frei mit Büchern ge-handelt hätten und handelten, sondern betonten, daß die Buchdruckcrkunstauch der Vernunfft nach, viel eher, denn der Buchhandel gewesen undauffkhommen" sei, und daß der Buchbinder nicht nur einstmehr alsjetzo vnd vonn den Buchführern ruhig vnd vngehinndert im Hanndelgewesen", sondern geradezu, daßdie Buchhändler von den Buchbindernherkommen".^ Wie oft haben sie sich vorhalten lassen müssen, daßjene zünftig seien und die Buchhändler nicht, und daß der Buchhandelkeines großen Erlerncns bedürfe! Je mehr sich dem gegenüber die Buch-händler ihrer besondern und umfassenden Aufgabe bewußt waren undimmer mehr wurden, desto mehr litten sie darunter, daß jeder Beliebigesich mit dem Buchhandel befassen zu können meinte, daß man zwischen