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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Der angestellte Truckerverleger.

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übernahm, die von ihm und seinem Kollegen gedruckten Bücher (dieUniversität Rostock hatte die Anstellung zweier akademischer Drucker fürnotig befunden) nach Frankfurt oder Leipzig auf die Messe zu führen ^,ist eine alleinstehende Ausnahme. Was das Verhältnis des akademischenBuchdruckers als Verlegers zu den Professoren seiner Universität an-betrifft, so muß nicht selten der Brauch geherrscht haben, daß der Buch-drucker das Recht hatte (so in Königsberg betreffs der juristischenund philosophischen Bücher laut Verfügung Friedrichs I. vom 24. Mai1709)^, ^ verlangen, daß die Professoren ihre Werke bei ihm ver-legten (resp. im Selbstverlag drucken ließen), oder aber auch die Pflicht,den Verlag zu übernehmen. Als im Jahre 1733 ein Hallenser Professorbeim dortigen Waisenhaus eine Verlagsablchnung erfuhr, erhob der Ab-gewiesene Beschwerde, und das Waisenhaus erwiderte: Der König habeihm in diesem Punkte jederzeit volle Freiheit gelassen, sodaß, wenn derProfessor bis an den König gehen wolle, es verhoffe, mit billigerVer-antwortung" Gehör zu finden. Als ihm später das Kuratorium derUniversität Göttingen den Antrag machte, in Göttingen eine akademischeBuchhandlung und Buchdruckerei anzulegen, stellte Gotthilf Francke (1750,18. Mai) die Bedingung: daß dem Waisenhaus frei bleibe, den ihmvon den Professoren zu Göttingen offerierten Verlag zu übernehmenoder abzulehnen.^

Waren so diese Druckervcrleger mit Privilegien nnd Monopolen aufTypen und Pressen, Papier, Lumpen, den festen und gleichmäßigen Be-darf der Kirche, der Schule, des gemeinen Mannes, vielfach erblich,ausgestattet, so läßt sich doch gerade hier gut beobachten, wie das Pri-vilegwcsen die üblen natürlichen Wirkungen der Konkurrenz dadurch zubeseitigen trachtete, daß es die natürliche Konkurrenz überhaupt beseitigteoder hemmte, ihre guten Wirkungen aber künstlich zu züchten versuchte.In der Geschichte dieser Druckereien ciu beständiges Drängen und Schiebenseitens der Universitäten, Magistrate, Negierungen der privilegiertenOffizin resp. den privilegierten Offizinen gegenüber: da wird bald einbilliger Preis verlangt oder fixiert, bald die Anschaffung genügender Let-tern, bald neuer Pressen verlangt, bald billigerer Verkauf der Schulbüchergefordert u. dcrgl. Die Privilegien schlössen die Konkurrenz aus, ver-langten aber dafür diejenigen bestimmten Leistungen, die sonst durch dieKonkurrenz bewirkt worden wären und stellten im Falle der Nicht-