Schädlichkeit der Druckerverlag-Monopole.
103
von Reußner zugesagt und auch ausgezahlt. In den schwärzesten Farbenmalt die nachteiligen Wirkungen des Schulbüchermonopols auf Buchdruck,Buchhandel, Schulwesen, Litteratur, Staatseinkünfte, Papierindustrie u.s.w.ein Schriftstück, das die übrigen Königsberger Drucker in einem Prozesseeinreichten, den der erste nachreußncrsche Inhaber der Hofbuchdruckerei(L'Estocq, seit 1746) im Jahre 1747 wegen Verletzung des Privilegsgegen sie anstrengte. Es mag zum Teil von einer einseitigen Auffassungbeeinflußt sein, aber zur Beleuchtung der allgemeinen Verhältnisse ist estrotzdem wichtig. Es behauptet u. a., vieles, was aus der NeußucrschenOffizin hervorgegangen sei, besonders aber die Scholastiknlien, sei soschlecht und auf so schlechtem Papier gedruckt, daß es die Jugend kaumlesen könne. Das Land sei mit den Preisen um ein Drittel, ja umdas Doppelte übersetzt. Um das Schulbüchermouopol recht ausbeuten zukönnen, hatten die Neußucr allerhand andere gangbare Bücher unter dieScholastikalicn zu bringen gewußt, die uicht dazu gehörten, ebenso besang'und Gebetbücher in allen Formaten und Sprachen, die Psalmen Davidund die Evangelien — alles Sachen, die gewiß und in Menge abgingen.Die Reußner Hütten immer nur drei Pressen und in der besten Zeithöchstens drei bis vier Setzer gehabt; hätten sie aber auch nudcrc uötigcBücher gedruckt, so würden sie wenigstens dreimal so viel Personen ge-braucht haben; und wollten sie es selber nicht thun, so hätten, wenn siees andern gestattet hätten, noch drei bis vier Druckereien bestehen können.Sie druckten immer nur die alten Schulbücher weiter: Vsstidulnint^roeiinnin, (üomsmi jllnul», Ooimtus, Menii giÄmumtiea, Distsrieieateeiissis, und so könnten keine neuen in den Schulen eingeführtwerden; die Lehrer nähmen heimlich neue Schulbücher, sie würdenzum Schaden der landesherrlichen Einkünfte unter der Hand eingeführt,oder die Kinder würden in Privatschulen geschickt. Auch die vielen inden sast neunzig Jahren im Lande gebrauchten deutschen und polnischenBibeln und Testamente hätten vom Ausland eingeführt werden müssen.Hütten die Reußner dem wirklichen Bedürfnis entsprechend gedruckt, sowürde auch die Papicrfabrikation vorwärtsgeschritten, würden mehrPapiermühlen angelegt worden sein u. s. w. Von den KönigsbergcrBuchbinderwerkstätten (bis 1730 seien ihrer nur sieben bis acht ge-wesen) seien einige sehr schlecht bestellt, die in den übrigen Städten (bis1730 nur sechs) seien in Schulden umgekommen, weil sie selten der