Zeitungssinger. Briefmaler.
Um den Buchhändler, den Buchdrucker, den Buchbinder, die dasreguläre ansässige Buchgewerbe ausmachen, gruppierte sich der besondersfür die breite niedere Masse in Stadt und Land bedeutsame Kleinhandelder Hausierer. Sie verlegten und druckten im allgemeinen nicht, mancheVerordnungen verbieten das den „Buchkrämern" ausdrücklich und be-schränken ihren Handel auf die allergewohulichstcn Schul-, Gebetbücherund Kalender (so Straßburg 1665"^). Die eben genannte Litteratur— mit deren Vertrieb sie besonders den Bnchbindern Konkurrenz machten,die dagegen öfters angekämpft haben — ist noch nicht die für diese„Buchträgcr" eigentlich kennzeichnende. Ahasverus Fritsch^" nenntsie (1675): die, welche allerhand Calender, Gesänge und Gemälde zumVerkauf herumtragen; in andern Schriften heißen sie noch anschaulicher:Scartcckcntrügcr, Marktsänger und Absinger, nämlich neuer Zeitungenund Mären, die sie meist selber in Lieder brachten (1690, 1732)^; eineStraßburger Polizciordnung vom Jahre 1628 ^ nennt sie „Brieffträger,Landfarer und Zcitungssänger".
Mit den Briefträgern indessen berühren wir wiederum ein besonderesbuchgcwcrblichcs Gebiet, das der Bricfmaler, Jlluministcn und Form-schneider. Es sind eigentlich zwei getrennte Gewerbe: Bricfmaler und Jllu-miniercr (auch Patronisten genannt) einerseits, Formschncider andrerseits.Die Formschncider waren indessen gewöhnlich zugleich Bricfmaler, auchdie Ordnungen und Verordnungen behandeln gewöhnlich beide gemeinsam.Sie illuminierten Kräuter- und Historicnbüchcr, illuminierten für denGelehrten, den Marktschreier und Bauern, den Gastwirt, der gernIlluminationen in seiner Stube aufhängte; berühmt war auf diesemGebiete Augsburg ; sie patronicrtcn die gemeinen Bilderbogen, die einoder zwei Kreuzer kosteten und besonders in Nürnberg in großer Mengehergestellt, verkauft und verschickt wurden, d. h. sie malten sie durch„Patronen", die aus Pappdeckel geschnitten waren; sie fertigten türkischesund allerhand sonstiges gemaltes Papier, überzogen damit Schachteln,Trühlcin und Nähpulte (malten aber nicht auf Holz), fertigten hölzerneFormen für die Zitz- und Cottonfabrikcn, zu Papicrmodellen, zu Holz-schnitten. ^» Das Gewerbe spielte aber durchaus nicht die Rolle einesreinen technischen Hilfsgewerbcs. Der Briefmaler war zugleich Brief-träger. Und zugleich hatten sie die Neigung, ihren Betrieb auch durcheigenen Verlag (und Nachdruck) zu einem selbständigen volkstümlichen