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3. Kapitel: Der Buchhändler.
Handel auszudehnen. Augsburgcr Verordnungen des zweiten bis viertenJahrzehnts geboten ihnen, nichts anderes zu drucken, als ihre „Stöcke";auch „Zeitungen" durften sie nur „unter einem Stock", d. h. also alsden Holzschnitt begleitenden Text drucken. Solche Vorschriften machtensich immer von neuem nötig: wir erfahren, daß z. B. zwei Briefmalerdamals gleichzeitig Lanisii eatdeeniLmum— auf den in Augsburg derBuchdrucker Andr. Avvcrger privilegiert war — nachdrucken ließen; vonandern kleinen katholischen Traktätlein zu schweigen: der BricfmalerJohann Schultter soll davon für über 1000 fl. in seinem Laden gehabthaben. Noch deutlicher spricht das aus Bericht und Verlangen der Buch-drucker ergangene Augsburger Dekret vom 28. August 1681: es verbietetden Briefmalern „ausser ihren stöckhen und darundter gehörigen truckhso auf einen außgebreitteten bogen papyr oder placat zuc bringen, allesübrige getruckhte oder gcfältzte, es sehen gleich lieber tractätlin callenderklein oder grosse büecher . ., zue füehren truckhen zuc lassen öffentlichoder heimblich zue verkhauffen".
Auf ihrem eigensten Gebiete waren diese Marktsänger, Scartecken-träger und Bricfmaler desto unternehmender. Sie legten alte Lieder undScharteken neu aus; ließen selbst ersonnenc Wundcrgeschichtcn drucken.Gewöhnlich weit und breit umherziehend, verfließen sie so mit den kleinenwandernden Buchbindern und Buchkrämern. In Zürich wurden noch1756 mit den Krämern aus Stadt und Umgegend, die im Kreuzgangdes großen Münsters Bücher, Gemälde, Kupferstiche u. s. w. feilhielten(es wurde ihnen damals verboten, ihre Waren im Chorscitturm nieder-zulegen), auch die aus Augsburg und Nürnberg der Ccnsur unterstellt;ein herumziehender Bücher- und Bilderkrämcr aus Taubenhcim in derOberlausitz starb 1738 in Königsberg, 2000 kleine Trattätchen undBücher und über 3000 Bilder aller Gattungen hinterlassend.^ Diekleinsten dieser Händler zogen durch die Lande mit dem Korb, Bücher-gestell oder einfach einem Sack auf dem Rücken; andere zogen ihrenKarren hinter sich drein oder hatten Hund, Esel oder Pferd vor ihrWäglein gespannt. Ihr Publikum war in erster Linie das Baucrnvolk;ihr Stand, den sie mit aufmcrksamkeitcrregendcn Firmen und Schildernzu versehen liebten — „bey seinem sogenannten Raphael", heißt es1676 von dem Stande eines kleinen Leipziger Buchbinders ^ —, waren„Stühle, Pänckchen und Schrägen" (Nürnberg 1633) — oder wie