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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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140 4. Kapitel: Die Entwickelung der Leipziger Büchermesse bis zum 30jiihr. Kriege.

von Hagen die Frage nach den Erklürungsgründcn für den Ursprungund die glänzende EntWickelung der Leipziger Messe auf. In Ansehungder Lage, meint Hagen , habe die Stadt zweifellos nicht eben die voll-kommensten Avantagcn, zumal in Ermangelung eines schiffbaren Stromes:daher diejenigen Tutores, welche über das Commerzium geschrieben,nicht zusammen reimen können, wie es zugehe, daß ermelde Stadt dasigcrHindernissen ungeachtet, dennoch zu dem Flor des Commerzii und sonder-lich des Mcßvertricbes, worin sie blüht, sich erschwungen habe? sintemaldie obwohl vortrefflichen Stapel- und Niederlagen-Privilegien diesen aus-nehmenden Succeß blos allein nicht zu Wege bringen können."

Hagen selbst sah die Erklärung in dem zeitlichen Zusammenfallender Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Ostindien und derdamit gegebenen EntWickelung eines neuen Seehandels, der in die Händeder Holländer kam, einerseits und der Ausrüstung Leipzigs mit seinenStapel- und Niedcrlagsprivilcgien samt dem Straßenzwang von fünfzehnMeilen (1497 und 1521) andrerseits. Darin ist zweifellos ein richtigerKern enthalten: der Umschwung im Wclthandelsverkehr, wie er damalseintrat, brachte eine Verkümmerung der südwestdcutschen Stätten desalten süd-ndrdlichcn internationalen Handelsverkehrs und dagegen denAufschwung norddeutscher See- und Binncnhandclsplätze mit vornehmlichwest-östlich gerichteter Verkehrsströmnng mit sich, und jenen bekanntenhandelspolitischen Mitteln, die Leipzig wie jede andere Stadt von ähn-licher Verkehrsbedeutung anwandte, traten deshalb besondere Erfolge zurSeite. Nur daß freilich die Handelsbedeutung Leipzigs viel weiter zurück-reicht; der Überschätzung der Bedeutung schiffbarer Ströme wird mandabei die Bedeutung der Übergangsstellen breiter und sumpfiger Fluß-geflechte gegenüberstellen.

Daß sich in einer Stadt, deren Messe bereits im 15. Jahrhunderteine der Säulen des europäischen Handels" war^, in der sich alt-berühmte Klöster befanden, die endlich seit Beginn des 15. JahrhundertsSitz einer Universität war, schon in der Zeit des Handschriftenhandelsalles das, was damals den Bücherverkehr ausmachte, eine besondere Rollespielte, und daß nach Erfindung der Buchdruckerkunst bei der Ver-triebsart des alten Buchhandels, der an erster Stelle die bedeutendenMeßplätze aufsuchte und dabei rasch die Messen und Märkte in ganzDeutschland, ja über Deutschland hinaus in seinen Wirkungskreis zog,