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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Dic Leipziger Büchermcssc 14701520.

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diese Stadt am allerwenigsten von diesen immer weiter dringendenund kraftiger flntenden Wellen unberührt bleiben konnte, ist selbstver-ständlich. Vielleicht haben noch die Neisediener Fusts und Schöffcrs, derGenossen Gutenbcrgs dehnten sie doch ihre geschäftlichen Operationenschon um das Jahr 1470 bis nach Nürnberg aus die Leipziger Messen schon in den siebziger Jahren besucht; ja es bestehen Anzeichen,die vermuten lassen können, daß Schöffer wenigstens in seinem Todes-jahre, 1503, persönlich auf der Leipziger Messe anwesend gewesen ist.Wie dem auch sei: der Umstand, daß sich 1478 der Reiscdiener einesBaseler Druckers als Bürger in Leipzig niederließ, enthält eine genügenddeutliche Hindeutung darauf, daß damaligen süddeutschen Reiscdicnern derLeipziger Platz von ihren Fahrten wohl vertraut war: dies um so mehr,wenn wir hören, wie im September 1475 ein Ulmer Buchführer20 Gulden, die er Bernhard Rihel von Basel schuldete, an Nickel Keßler,Buchhändler in Basel , zu Weihnachten in I^xx zu zahlen verspricht.Vom Jahre 1479 die Notiz der Leipziger Stadtkassenrcchnung: vf Mitt-woch nach voccm Jucunditatis vor j buch im marckte gcvfant, ingenommcn18 Ar.

Während Frankfurt a. M. erst verhältnismäßig spät eine Bedeutungals Verlagsplatz gewann, faßte die Buchdruckerkunst in der sächsischenUniversitätsstadt schon im folgenden Jahrzehnt festen Fuß. Vom Jahre1481 datiert der erste in Leipzig hergestellte Druck, der dem ersten Buch-drucker Marcus Brandis (nach der Gleichheit der Typen) zugeschriebenwerden muß, der erst 1484 genannt wird^; vom Jahre 1485 der ersteDruck des ersten in Leipzig ansässigen Druckers (Konrad fKunz^ Kachel-ofen); schon im nächsten, dem letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts,folgten sechs weitere Drucker.

Die Begründung der Druckereien aber bedeutete zugleich die Be-gründnng eines Leipziger Platzbuchhandcls, und beides, der LeipzigerPlatz- und der Leipziger Mcßbuchhandel, .entwickelte sich seit der Wendedes Jahrhunderts aufs glücklichste. Die Leipziger Büchermcsse steht seitdem letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts als festgewurzelte Institutionvor unfern Augen. Leipziger Drucker druckten für auswärtige, zumTeil weit entfernte Verleger (Magdeburg 1490, Prag 1498); nicht nurBuchführcr der nähern Umgebung (Mittweida 1489), sondern Briefmalerund Kartcnmacher aus Nürnberg (1493), Buchführer aus Wasserburg