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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Leipzigs Platzbuchhandcl u. Meßbezirk im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. 143

Leipziger Messen mit dem 16. Jahrhundert mich für den Pcipicrhandcl;in den Jahren von 1512 bis 1530 besuchten sie Papierhändlcr aus Glauchau und Dresden, Frankenhauscu und Belitz, Nürnberg und Prag und hieltensogar zum Teil in Leipzig Lager.

Welches war überhaupt der Bezirk der Leipziger Büchermcsscn? Inden in den Leipziger Akten vorkommenden buchhändlerischen Differenzentreten uns in den Jahren 15041528 in 35 Fällen 22 Städte ent-gegen. Davon entfallen neun (mit 16 Fällen) auf den cngcrn Leipziger Meßbezirk: Schneeberg und Dresden, Wittenberg und Jütcrbogk, Halle,Eisleben, Erfurt, Magdeburg , Halbcrstadt; fünf (mit 7 Fällen) auf denOsten: Glogau, Breslau, Krakau, Prag , Dcmzig, und sechs (mit8 Fällen) auf den Westen: Frankfurt a. M, Mainz, Köln, Straß-burg, Freiburg i. B., Basel; endlich zwei (mit 4 Fällen) auf Nürnberg uud Augsburg . Die beiden letztern Städte gehören eigentlich zum engcruLeipziger Bezirk; namentlich Nürnberg stand mit Leipzig in besonders engerVerbindung. Der östliche uud westliche Flügel ist ungefähr gleich starkvertreten; ein Zurücktreten des lctztern gegen erstcrn ist nicht bemerkbar.Die wesentlichen Unterschiede zur Frankfurter Messe liegen darin, daßerstens schon bald namentlich kleinere Buchhändler, die weit im Ostensaßen, nur die Leipziger Messen besucht haben mögen, zweitens und be-sonders, daß die Leipziger Messe in viel lockererer Verbindung zumAuslande stand. Namentlich Verbindungen des italienischen Buchhandelsmit dem Leipziger Meßbezirk lassen sich nicht entdecken, sie können wohlnur durch Vermitteluug von Frankfurt a. M. und Nürnberg oder, wiein Fällen aus den Jahren 1512 und 1520, durch private Agentenstattgefunden haben.^

Kräftig nicht minder entwickelte sich und weit griss nicht minder ausder eigene Buchhandel Leipzigs selbst. Der Besuch der Leipziger Messe durch auswärtige Papiermachcr und Papierhändler seit den ersten Jahrendes zweiten Jahrzehnts, die starken Papicrlicfcrungen besonders aus denDepots der Nürnberger, Straßburgcr und Frankfurter Händler seit denzwanziger Jahren, das Eintreten Leipzigs in die damals herrschendeGroßbctricbSweise des Buchhandels, das Aufsuchen entlegener Absatz-gebiete in dem allen spiegelt sich die steigende Bedeutung Leipzigs als Verlagsort deutlich wider. In der nähern Umgebung war, vonJahrmärkten wie besonders dem Wittcnbcrgcr abgesehen, namentlich die