Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 
  

Frankfurter und Leipziger Meßbezirk.

151

ledigung der Auftrüge fast durchaus im stände gewesen zu sein. Zugleichinachte sich aber schon damals die der Leipziger Messe gegenüber aus-schließende Anziehungskraft der Frankfurter Messe für die schwerere aus-ländische Litteratur geltend und mußte sich desto mehr geltend machen,je mehr sich der in Frankfurt ccntralisicrte deutsch -europäische Buchhandelfestigte und organisierte und man kann den Beginn dieses eigentlichenorganisierten Buchhandels in Frankfurt a. M. in die dreißiger Jahredes 16. Jahrhunderts setzen, je mehr und je sicherer der Besuch dieseseinen Mcßplatzes hinreichte, um die eigenen Bücher über das ganze deutscheBuchhandelsgebiet zu verbreiten und die auch für das Ausland wichtigenWerke einzunehmen. Das ergibt den Unterschied derausländischen"undhieländischen" Bücher. Schramm in Wittenberg versprach StephanRoth 1537, ihm die gewünschten Bücher von Frankfurt zu bestellen(7. Febr.); 1544, ihm die verlangten Defekte von Frankfurt zu bringen(14. Juli; ähnlich öfters); schrieb ihm 1545, daß die tabellä wessali inWittenberg nicht vorrätig seien, aber von ihm aus Frankfurt mitgebrachtwerden würden.^" Wir bemerken den Unterschied noch stärker in denLagervcrzcichnissen von Leipziger Sortimentsbuchhändlern aus den Jahren1547, 1551, 1558, in denen, im Unterschiede zu gleichzeitigen Biblio-theksverzeichnissen Leipziger Gelehrten, die schwere wissenschaftlicheLitteratur des Auslands auffällig in den Hintergrund tritt und sicheigentlich nur durch die kleinen Lyoneser Klassikerausgaben bemerklichcrmacht. Die ausländischen Bücher standen auch höher im Balleuprcis.Bei dem Verkauf einer hinterlassenen Leipziger Buchhandlung im Jahre1548 rechnete manAußlendische bllcher" den Ballen für 16, diehilendischcn" den Ballen für 11 Gulden; ein Leipziger Buchhändler,der sich gleichzeitig unter Umständen aus diesem Lager decken wollte,rechnete den Ballen hieländischer Bllcher zu 10, ausländischer zu13 Gulden.

Es macht mit andern Worten den Eindruck, als wenn in der erstenZeit des 16. Jahrhunderts die Wasser des buchhändlerischen Geschäfts-verkehrs sich in den beiden Becken der Frankfurter und der LeipzigerMesse abgesehen hierbei von der größern Tiefe und dem größernUmfang des erstern noch nicht recht gesetzt hätten: sie flutetennoch verhältnismäßig unregelmäßig hin und her; und als wenn imVerlaufe des zweiten Viertels des genannten Jahrhunderts diese Son-