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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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196 5- Kapitel: Leipziger Büchermessc bis zum klassischen Littcraturzeitalter,

darauf setzten. Welche Schritte und Gewaltschrittc die Regierung solchenSchwierigkeiten gegenüber that, haben wir oben gesehen. Auf Seitender Buchhändler aber war es bezeichnenderweise nicht die Pslichtexcmplar-plagc, sondern der Mangel der Rechtssicherheit, was sie am meisten be-schäftigte. Kamen doch zu all den Verhältnissen, die wir oben schilderten,die uns bekannten Mängel bei der Insinuation der Privilegien, die aufGrund der bestehenden Rechtsformen für die Berechtigten von den be-denklichsten Folgen sein und die Wirkung der Privilegien geradezu aufhebenkonnten, und die vorwiegend von den Oberbehdrdcn verschuldeteLässigkeit und der schleppende Rechtsgang bei den Leipziger Verwaltungs-und richterlichen Organen hinzu. Schon im Jahre 1653 beschwertensich die Endter aus Nürnberg samt den Sternen aus Lüneburg undandern Privilegierten, daß in Leipzig nicht, wie es in Frankfurt a. M.geschehe, selbst auf inständiges Anhalten mit Konfiskation und Exekutionverfahren werde, und ersuchte Wolsgang Endter das Obcrkonsistorium,dein Stadtgericht in Leipzig gegenüber seine Autorität geltend zu machen,damit dieses,nach dem Exempel des Heyl. Nom.-Neichs Statt Franck-furth am Mahn", woselbst auf der seinigcn und anderer BuchhändlerElag und Demonstration gegen den holländischen Nachdruck privilegiertervnd anderer" Bücher alsbald obrigkeitliche Inhibition ergangen sei,wenigstens zur Respektierung der Privilegien schärfer prozediere.

Im Vordergründe aber standen in den auf die Publikation desFebruarmandats folgenden letzten Jahren des Jahrhunderts die Belästi-gungen des Buchhandels oder genauer des Buchdrucks durch die Ecnsur.Es handelte sich dabei vornehmlich um deren formale Seite. Wenn soscharf auf die Ecnsur, da das Buch au einem andern Orte gedruckt wäre,gedrungen werden sollte, sagte Moritz Georg Weidmann 1688, so würdendie Leipziger Buchführcr ihre Nahrung ganz verlieren, weil anderswoleichter zum Druck zu gelangen wäre und doch hernach alles in Leipzig eingeführt würde. Im ersten Rcgierungsjahrc Augusts des Starken(16941733) wurde der Versuch gemacht, einen Überblick über dieanhängigen Ecnsursachen zu gewinnen. Das Oberkousistorium forderte(Februar 1695) Verzeichnis und Inventur der vom Rate in Verwahrgenommenen Schriften; die Kommissaricn bemerkten bei der Übersendung,ob alles oder was eigcutlich davon zu konfiszieren sei, darüber sei ihnennoch kein Bescheid zugegangen. Man war sich so beiderseitig der Vcr-