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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Die Interessen des Buchhandels von der Bücherkommission wahrgenommen. Zgl

Welche Verschiedenheit im Verhalten der Bücherkommission gegenfrüher. Nicht nur, daß sie so manches mal den Bücherfiskal gegen diewider ihn gerichteten Vorwürfe in Schutz nahm; sie erhob sich zu derKühnheit, das Interesse des Buchhandels im allgemeinen zu vertretenund auf die Gefahr einer Schädigung seiner und des Leipziger Meß-verkehrs hinzuweisen. Sie betrachtete sich nicht mehr als eine reineÜberwachungs- und Ncpressivbehördc, sondern als ein öffentliches Organ,das gleicherweise auch das Wohl und Wehe des Geschäftszweigs, überden es gesetzt war, im Auge zu behalten und selbst der Oberbchördegegenüber zur Geltung zu bringen hatte. Eben damit ist die Wendedes 17. Jahrhunderts der Zeitpunkt, mit dem, wie der Ausbau derBücherkommission als staatlicher Behörde, so auch die innere Entwicklungder Bücherkommission zum Abschluß gediehen war. Aber nicht nur das.Das Gewicht der theologischen Eensur verminderte sich. Die theologischeFakultät blieb allerdings orthodox genug; die Dresdener Behörden aberbildeten seit Augusts des Starken Konversion das Gegengewicht. Undan Stelle Carpzovs, des erbitterten Gegners von Thomasius, trat 1699als Büchcrkommisscir der mildere Olcarius. Überhaupt tritt im neuenJahrhundert infolge des zeitweiligen Durchdringcns des Pietismus, desÜbertritts des Kurfürsten, der wirtschaftlichen Wcrtschätzuug der zur Vor-herrschaft gelangenden Leipziger Messe, der wachsenden Bedeutung Leipzigs als Druckorts die Eensur mehr zurück. Zugleich sind es andere Dingevon größerer und geringerer Bedeutung, die den Ablauf einer ültern Zeitmarkieren. Der Vergleich vom 30. Juni 1731 stellte Buchführcr undDrucker unter die Gerichtsbarkeit des Nateö; am 15. Juli 1732 fielder alte NameFiskal" und wurde durch den TitelBücherinspcktor"(Inspektor der privilegierten Bücher) ersetzt.

Wurde die Ziffer der Leipziger Verlagsproduktion von der der Frank-furter in den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts übertroffcn, so wurdein den sechziger Jahren das Verhältnis ein schwankendes, und in densiebziger Jahreu übertraf die Frankfurter die Leipziger nur noch dreimalin der deutschen Produktion. Gerade im Jahre 1680, das etwa alsBeginn des endgültigen Aufschwungs des Leipziger Handels gelten darf,hat die Zahl der Frankfurter Vcrlagöartikcl diejenige der Leipziger nocheinmal übertroffcn. Es war das letzte mal. Der Wicdcrcmfschwung der