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vertrieb sie so. Wilde beantragte Berkaufsverbot bei 50 fl. Strafe;Gleoitsch wurde von der Bücherkommission angewiesen, ihn klaglos zustellen — und die Angelegenheit war erledigt (1703/4).Auch demoben angeführten Fall Fritsch-Carvzovschc Erben ähnliche Fälle finden sichin I. F. Glcditschs Geschäftstätigkeit.'"
Namentlich, wenn man gewisse Seiten ihres Geschäftsbetriebs hinzu»nimmt, erinnern diese Verleger mit ihrem Unternehmungsgeist und demerhöhten Werte, den sie auf die technische Seite legten, an die erstenZeiten des Buchhandels. Wir meinen die starke Pflege, die sie demdirekten — sich also nicht der Messe bedienenden — Verkehr mit weitentlegenen, wichtigen Produktionsgebieten angedeihen ließen. Diese Ver-bindungen wiesen vor allen Dingen nach Holland . Durch die Gediegenheitseiner Typographie, als Zufluchtsstätte einer in Frankreich unter dem Druckder erstarkenden königlichen Macht und der damit strenger werdendenEensur verfolgten politischen und neu aufblühenden Memoirenlittcratur,endlich als Sitz systematischen Nachdrucks französischer und auch deutscherProduktion zog Holland Buchschrcibcr, Buchdrucker, Buchverlcgcr undBuchhändler an sich und bedurfte immer weniger der in der FrankfurterMesse verankerten Gegenseitigkeit. Unterstützt von dieser seiner Souve-ränität und Uucutbchrlichkeit, von den Verhältnissen des Meßtausch-vcrlchrs, der den Holländern immer weniger bot, und dem sie sich zuunterwerfen immer weniger nötig hatten, sowie den Vertricbsansoroe-rnugen der Nachdrücke, die sich immerhin nur verstohlen auf die deutsche»Mcßplätzc wagen konnten, zeigt der holländische Buchhandel einen durchausmodernen Zug. Es fiel ihm durchaus uicht ein, sich in seinem für ihn sohochwichtigen Verkehr mit Frankreich an die Frankfurter Messe zu binden,es wäre auch bei dem Verhältnis der französischen Buchhändler zu dieserunzureichend, hinsichtlich der vielen verbotenen Ware unthuulich gewesen.Die holländischen Offizinen und Buchhandlungen hatten ihre geheimenKanüle, auf denen sie ihre Schlcichwarcn direkt nach Frankreich ein-schmuggelten, zunächst die verbotene Origiuallilteratur, dann auch dieProdukte des noch einträglicher» Nachdrucksgcwcrbes. Wir bemerken aberauch, daß sie die Äcker des nördlichen Deutschland , uach dem sie ihrganzer Handelszug wies, selbständig zu bestellen wünschten. Die Waes-berge in Amsterdam hatten Buchlüden in Danzig und Königsbergs,1667 verschafften sie sich ein Privileg zur Errichtung eines freien und