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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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21<z ö. Kapitel: Leipziger Büchcrinessc bis zum klassischen Littcraturzeitaltcr.

offenen Bnchladens (nebst Zollfreiung) in eincm beliebigen Orte derMarken, mit Ausnahme von Berlin und Frankfurt a. O.^; im 18. Jahr-hundert sitzt eiu Janson von Waßberg in Prag. ^" Sie und die Elze-vicre in Lehden ließen deutsche Jahrmärkte bis in den fernen Ostenhin " bereisen, hatten im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts HamburgerBuchhändler zu Kommissionärcu, die namentlich die Speditionen ihrerBüchcrballen nach Schweden besorgten und im letzten Drittel ließen sichin Hamburg mehrere niederländische Buchhändler nieder; sie wie diedeutschen Kommissionäre werden sich offenbar auch noch anderweitig spezielldes Vertriebs des Verlags ihrer Landsleute und Kommittenten angenom-men haben. Diese Veränderungen lösten entsprechende Wirkungen imnorddeutschen Buchhandel aus. Die alte Basis des Außenhandels,der persönliche internationale Mcßvcrtchr in Frankfurt war erschüttert.Die Glcditsch, Weidmann, Fritsch trugen diesen Verhältnissen Rech-nung, indem sie ihrerseits, ebenfalls in einer über den Rahmen desMcßverkchrs hinausgehenden Weise, ihre Fühler ausstreckten, Reisen nachHolland unternahmen und daselbst für die heimische Firma wie es vonJoh. Ludw. Glcditschs holländischer Reise im Sommer 1693 heißtgar feine Negotien verrichteten^, sich ihrerseits holländischer Buchhändlerals Kommissionäre versicherten, auf direktem Wege ihre Lager zum Zweckeeines ausgiebigen Zwischenhandels assortierten. Nicht nur nach dieserRichtung erstreckten sich diese Verbindungen; gerade der Norden undOsten war es natürlich, in dem sie gepflegt, in dem wieder wie inalter Zeit Filialen angelegt wurden. Weidmann z. B. sandte seineFaktorc nicht nur nach Holland , er unterhielt ausgedehnte geschäftlicheVerbindungen mit Schweden und scheint dort einen ständigen Agenten,zum mindesten einen Reisenden gehabt zu haben.^ Wie bald dieserVerkehr mehr und mehr neuzeitliche Formen annahm, dein läßt sich aufJahr und Tag nicht nachkommen. Jedenfalls erfahren wir in dendreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts, und da als selbstverständlichenHergang, daß sie französische Bücher aus Holland in einigen Exemplarenals Novität" erhielten. Anscheinend gingen diese Sendungen, die sichnicht an den Meßverkehr bandeil, meist durch die Post, selbst wenn siewie wir wenigstens aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wissen von größcrin Umfang waren.^ Es lag nahe, daß die Holländersich in ihrem nach Osten gewandten Zuge mehr und mehr dem Herzen