Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
217
Einzelbild herunterladen
 

Beziehungen zu Holland .

217

Deutschlands, in dem man den Absatz im Innern Deutschlands , denZwischenhandel nach Osten mehr und mehr in der Hand hatte, nähernmußten, es lag um so näher, weil sie das natürliche Ziel verfolgenmußten, der Leipziger Konkurrenz entgegenzutreten, und das um so mehr,als die Leipziger in der Bemessung des ihnen gebührenden Gewinns,wie das noch siebzig Jahre später der Leipziger Büchcrtommissar fürvöllig gerechtfertigt erklärte, nicht allzu bescheiden gewesen sein dürften.^Die deutschen Buchhändler halten über den holländischen Nachdruck un-aufhörlich zu klagen und waren ihm gegenüber so gut wie machtlos.Als Eudter d. Ä. einen Nürnberger Buchbinder, der mit einem Amster-damer Nachdruckcrgute Corrcspoudenz" pflegte, 1653 wegen Vertriebsholländischer Nachdrucke sächsisch privilegierter Bücher beim Dresdener Obcrkonsistorium verklagte, wurde er vom Nürnberger Rat angewiesen,ihn bei 50 fl. Strafe nicht weiter zu turbieren, sondern ihn in Leipzig frei passieren und handeln zu lassen.^ Die Holländer aber machten inDeutschland (nach Bechers Zeugnis, 1668) auf ihre deutschen Privi-legienhohen Respekt" und druckten in Holland deutschen holländischprivilegierten Verlag ungestört nach^, bis dann endlich im Jahre 1728die Gcncralstaatcn das Kind beim rechten Namen nannten und fernerhinden Ausländern holländische Privilegien überhaupt verweigerten. Bedenktmau ferner, eine wie beliebte Zufluchtsstätte Holland in der zweitenHälfte des 17. Jahrhunderts für die liberalen theologischen Richtungenwar, so leuchtet ein, daß die Spuren von Konflikten holländischer Ver-leger mit der Prcßpolizei in Leipzig und von Reibungen mit Leipziger Verlegern in Privilcgangclcgcnheiten ein hinreichend sicheres Anzeichenfür ihre Anwesenheit oder Abwesenheit auf der Leipziger Messe darstellen.Der eine Zeit lang in Holland gepflegte Nachdruck deutscher schöuwissen-schaftlichcr und ErbnuungSlitteratur hat aber in den Leipziger Akten keineSpuren hinterlassen, obgleich z. B. der Verleger von Opitz' Werken,Fcllgicbcl in Breslau, regelmäßiger Besucher der Leipziger Messen warund hier so manchen Streit wegen Nachdruck seines Verlags ansfocht;die betreffenden holländischen Ausgaben scheinen danach damals nicht aufden Leipziger Markt gebracht worden zu sein. Seit etwa 1680 sehenwir dagegen Heinrich Bethke von Amsterdam bemüht, seinen deutschen mystisch-theosophischcn Verlag auf dem Wege über Hamburg und Halbcr-stadt iu den Leipziger Mcßvcrkehr zu bringen. Der orthodox-lutherische