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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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218 5. Kapitel: Leipziger Biichcrmessc bis zum klassischen Litteraturzcitaltcr.

Dogmatismus dcs sächsischen Kirchcnregimmts verpönte indessen die lit-terarischc Thätigkcit der Nachfolger Jacob Böhmes; ebenso entschieden, wiespäter die Litteratur der pictistischen Richtung und der Herrnhuter; undverscheuchte ihn bald genug. Seit den neunziger Jahren des 17. Jahr-hunderts finden sich nun aber die bcdcutcudcrn Amsterdamer Firmen ausder Leipziger Messe : Johann Wolters, Johann Henrich Rischer, DavidSeverin, Huguctan, die Wetstein, die Waesbcrghe, dann später derauch als Musilalienverleger hervorragende Pierre Morticr. Sie kamenzumeist alle persönlich; besonders eng waren auch die Beziehungen derKarten- und Kunstverlcgcr Peter Schenck ssu. und Mu. zu Leipzig. ^Unliebsame Gäste! Sie kamen weniger, nach altem Frankfurter Meß-gcbrauch, als Verleger, es waren besonders Inhaber größerer Sortimcnts-lagcr, die so auf dem Gebiete des fremdländischen Verlags denen, dieseine Vcrmitteluug an sich zu ziehen auf dem Wege waren, die stärksteKonkurrenz machten. Vom Nachdruck der französischen Litteratur unddes deutschen Verlags zu gcschweigcn, für den doch schließlich jeder Buch-händler empfänglich war, wenn es nicht gerade der Rachdruck seinesNachdrucks, der Nachdruck des Originals seines Nachdrucks oder der'Nachdruck seines Originals war Weidmann an der Spitze. Unddie Fremdlinge suchten sich, genau wie hundert Jahre früher PaulBrachfeld von Frankfurt und Johann Francke von Magdeburg , dauerndin Leipzig niederzulassen. Die erste holländische Firma, der es gelang,in der Meßstadt scstcn Fuß zu fassen, war die Firma Huguctan vonAmsterdam, wcnn die Niederlassung auch nicht von langer Dauerwar. Einer von fünfzehn Leipziger Buchhändlern unterzeichneten Be-schwerde vom Jahre 1695 gegenüber zugleich gegen zwei JenaerBuchhändler gerichtet über ihren Verknus von Sortiment und Verlagnicht nur nach ausgeläuteter achttägiger Marktfrciheit, sondern sogarnoch nach der Zahlwochc mußten sie zunächst weichen. Schon wenige Jahredarauf aber, nachdem sich im Jahre 1702 unter dem Schutze Augustsdes Starken in Leipzig eine reformierte Gemeinde gebildet hatte unddamit den Reformierten die Begünstigung, gegen Zahlung eines Schutz-gelds als Schutzverwandtc zum Betriebe des Handels und unzünftigcrGewerbe zugelassen zu werden, nicht mehr verweigert werden konnte siewar bis dahin, wie auch für die Katholiken, nur fakultativ gewesen wußtensie ihr Ziel zu erreichen. Das Geschäft ging jedoch schon vor dem Jahre