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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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ZZO 5. Kapitel: Leipziger Büchermcssc bis zum klassischen Littcraturzeitalter.

Um sich aber nichts Gesetzwidriges zu Schulden kommen zu lassen, bätensie hiermit als Reformierte um Aufnahme als Schntzverwandte. Siewurde ihnen aus eine zweite Eingabe hin gegen ein jährliches Schutzgeldvon 20 Thalern gewahrt (4. Febr. 1737). Weidmann schleuderte seiner-seits eine neue Beschwerde gegen die Fremdlinge, in der er ganz be-sonders ihr reformiertes Bekenntnis hervorhob. Sie wurde durch dieResolution erledigt:L.ä aew.""

Es gibt kaum einen Standpunkt, von dem aus man mit einemBlicke die Veränderung der Zeiten, wie sie, seit langem vorbereitet, sichnun um die Wende des 17. Jahrhunderts entschied, deutlicher und ge-drängter vor sich sehen könnte, als diese Veränderung des Verhältnissesdes holländischen Buchhandels zum deutschen Buchhandel. Was dieScheidung in einen Leipziger und Frankfurter Meßbezirk sowie die Vor-herrschaft des letztcrn auf dem ausländischen Gebiete betrifft, so warendas ja von alters her bestehende Thatsachcn. Es ist aber bemerkenswert,daß man dabei jetzt nicht sowohl, wie früher, den Leipziger Mangel gegen-über dem Frankfurter Reichtum betonte, sondern umgekehrt über dieschlechte Assorticrung der Frankfurter Buchhandlungen klagte, und daßman nun jetzt hier in Frankfurt namentlich den norddeutschen undLeipziger Verlag vermißte. Und diese Klagen stammen von so tüchtigenBücherkenncrn wie Nicolaus Heinsius , zu Beginn der 1670er Jahre^;ja schon in den fünfziger Jahren wurde die Leipziger Messe iu denBriefen holländischer Gelehrten, deren inniger Verkehr mit dem Buch-handel eine so große Vertrautheit mit den gesamten buchhändlerischcnVerhältnissen voraussetzen läßt, weit öfter als die Frankfurter und stetsvor ihr erwähnt, obwohl jene doch immer erst begann, wenn diese vor-über war. Es waren im Nahmen all dieser Zusammenhänge betrachtetnur beschleunigende Momente, auslösende Veranlassungen, die hollän-dische, französische und auswärtige deutsche Buchhändler in den siebzigerund achtziger Jahren" bewogen, in Fraukfurt mit dem Ausbleiben vonden dortigen Messen zu drohen. Gerade in den Jahren, in denen derLeipziger Handel so kräftig emporstieg und der letzte Strom ausländischenBuchhandels, der holländische, sich von Frankfurt ab und nach Leipzig wandte, sprach, 1686 und 1696, in Frankfurt der Rat zum ersten maldeutlich die Besorgnis um den Untergang der Frankfurter Messe aus.