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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Verlegung der Frankfurter Fastenincssc.

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gerechtfertigt in einer Zeit, zu der Marperger^ den Vorrang der Leip-ziger vor allen andern Reichsmcssen bezeugte (1711), GötzcsProgramm"^die Leipziger Messe den größten und ausgebreitetsten Büchermarkt Deutsch-lands nannte (1711) und diesämmtlichen Buchführer" der einstigenHauptstadt des europäischen Buchhandels es nun als ihr zu erstrebendesZiel ansehen mußten,den von Frankfurt schon ziemlich abgezogenennutzbahren Buchhandel hinwicdcrumb bcy zu ziehen" (1709)?^ Gewißnicht; und die Leipziger Kaufleute und Buchhändler erstens, der Erfolgder Neuerung selbst zweitens redeten denn auch eine andere Sprache.Schon in der Remonstration Wessenichs in Wien fand sich der Passus:eine Verlegung werde Frankfurt selbst schädigen. Noch ausführlichersprachen sich aber nach derselben Richtung hin die Denkschriften und Ein-gaben der Handclswclt aus. Die fremden die Messen zu Frankfurt a. M.besuchenden Kaufleute führten in ihrer gegen die Verlegung gerichtetenEingabe (1710) neben andern Punkten, wie der Abkürzung des Zwischen-raums zwischen Oster- und Michaclismesse, der nicht genügen würde,um die Waren inzwischen zu vertreiben und in der Herbstmesse die Oster-schuldcn zu bezahlen, an: daß man entweder die Frankfurter oder dieLeipziger Ostermessc nicht würde besuchen können; das würde beide Messenschädigen, am meisten aber die Frankfurter, weil der Besuch der Leipziger Messen wichtiger sei; so würden z. B. alle diejenigen, so von Bremen ,Hamburg und andern niedcrsächsischen Landen und aus Gotha, Eisenach und Umgegend nach Frankfurt kämen, um ihre Waren wegen schlechtererGelder dort einzukaufen, die Leipziger Messen aber unter allen Umständenbesuchen müßten, Frankfurt fernbleiben:wodurch dann dem pudlieo undprivat« ein großer Schaden, den Leipzigern aber ein erwünschter Nutzenzuwachsen wird, indem je schlechter diese, je besser die Leipziger Messe wird, wie es leider die Erfahrung wirklich in vielen Stücken schon be-zeuget." Ebenso urteilte in dem gleichen Jahre die Leipziger Kaufmann-schaft. Wenn vernünftige Mutmaßungen etwas gelten sollten, erklärtesie, so möchten wohl die Verkäufer von Hamburg, Lüttich, Aachen, Köln ,Augsburg und Nürnberg , die seither beide Messen besucht, dabei aber be-funden Hütten, daß die Leipziger Ostermessc wcgcu des viel stärkcrn Kon-kurses der Einkäufer sowohl aus Sachsen, als nahe anliegenden, als endlichweit entlegenen Ländern, wie Polen, Lievland, Kurland, Schlesien, Ungarn und dergleichen weit importauter und konsidcrablcr sei, als die Frankfurter ,