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Kaufmannschaft erklärte es Ostern 1716 für wünschenswert, daß dieFrankfurter Messe entweder acht Tage früher beginnen oder von dreiauf zwei Wochen abgekürzt werden möchte. Aber inzwischen machteFrankfurt ganz die entsprechenden, d. h. die umgekehrten Erfahrungen,wie sie im Jahre 1713 Leipzig für die Leipziger Messe festgestellt hatte:schon in den letzten Jahren des zweiten Jahrzehnts des Jahrhundertsmußte der Magistrat wahrnehmen, daß dem Commcrzio der Stadt durchdie Verlegung der Messe „mehr Schaden als Nutzen zugezogen worden".Im Jahre 1721 begann er zu deliberieren, ob nicht besser gethan sei,sie wieder auf den ehemals gewöhnlichen Termin zu setzen. Diese Ab-sicht im vollen Umfange durchzuführen, wurde er durch die „Oppositionesaller benachbarten Stände, die sich durch keine Consilia noch Ncmon-strationeS besiegen ließen", verhindert. Zu Beginn des Jahres 1726endlich bestätigte eine kaiserliche Resolution den Kompromiß: daß dieFrühjahrsmesse den dritten Ostertag beginnen sollte. So war der Zeit-raum zwischen dem Beginn der Frankfurter und Leipziger Messe wenigstensum fünf Tage wieder verlängert; gegen früher freilich immer noch umsechzehn Tage verkürzt. Und während, bei dreiwöchiger Dauer, dieFrankfurter Messe früher zwei Wochen vor Beginn der Leipziger ge-schlossen hatte, so endete sie nun erst zwei Tage nach deren Beginn.
Im Bewußtsein seines Vorrangs hatte Leipzig eine aus Rücksichtauf Frankfurt a. M. vorzunehmende Verschiebung seiner Jubilatcmesseabgelehnt. Der ganze Plan der Verschiebung war andrerseits vonFrankfurt in der Absicht entworfen und ausgeführt worden, der tief ge-sunkenen Messe wieder aufzuhelfen. Allein die verzweifelte Maßregel —wie anerkennenswert es ist, daß der Frankfurter Rat wenigstens sie er-griffen hat, denn die kaiserliche Verwaltung dachte überhaupt an keine —half nicht. Wehmütig gedenkt eine Frankfurter Chronik vom Jahre 1719des ehemaligen Flors und schildert seufzend, wie sich dies hernach sosehr geändert habe und viele Buchläden nun in Weinschenken verwandeltseien"'; „wie es dann frcylich an dem ist, daß der ehemals hier sehrberühmt gewesene Buchhandel sich in folgenden Zeiten nach Sachsen,bcvorab Leipzig , meistens gewendet", setzt sie hinzu.
Eine trübselige Lage und eine trübselige Aussicht, der sich so dierömische Majestät mit ihrem „Bücher-Regal" und ihrer kaiserlichenBücherkommission in Frankfurt gegcnübcrsah! Was sollte aus den