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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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228 5. Kapitel: Leipziger Büchcrmessc bis zum klassische» Litteratnrzeitalter.

des Kommissariats, also der Frankfurter Rat, diesem die Pollstreckungerschwerte, wie und wo er nur konnte. Gelegentlich führt unö das ver-ärgerte Protokoll recht anschaulich vor, wie der Magistrat das hoheKommissariat an der Nase herumzuführen Pflegte. In der Fastenmesse1703 ließ der Fiskal den Rat ersuchen, alle vorhandenen Exemplareder 1701 in Nürnberg erschienenen neuen Auflage eines Psaltcrbuchsmit Vorbehalt der verwirkten Strafe zu konfiszieren, weil es im Wider-spruch zu den kaiserlichen Konstitutionen und dem Privilcgtenor (nichtsdem Instrumenta ?aeis undt Religionsfrieden zuwiderlaufendes"! derkatholischen Religion injuriose und an sich ärgerliche Summarien ent-halte. Der Rat nahm das Ersuchenkaltsinnig ahn" und ließ dembeklagten Verleger Zeit,sich davonzumachen". Das Kommissariat be-richtet darüber an den Reichshofrat nach Wien . Am 7. Juli wird demMagistrat ein kaiserliches Reskript insinuiert: daß alle auffindbarenExemplare des Psalterbuchs aufzusuchen und einzuziehen seien. Am27. August erneuter kaiserlicher Befehl: zu berichten, wie dem Reskriptvom 7. Juli nachgelebt worden sei. Am 17. September begibt sich derKommissariatsnotar in den Römer zum altern Herrn Bürgermeister.Er erhält den Bescheid: der Stadtschrciber, der die betreffenden Schreibenverwahre, sei gerade nicht zur Hand; er möchte sich andern Tags wiederherausbemühen. Am 18. September stellt sich der Notar wiederum ein.Der Bürgermeister bescheidet ihn: er müsse die Sache morgen erst beiSchultheiß und Schöffen vortragen. Am 19. September erscheint derNotar zum dritten male. Man läßt ihn zunächstlange verweilen".Endlich läßt der Herr Bürgermeister ihn vor und erklärt bedauernd:man wisse nicht, was das für Summarien wären, sie wären ihnenderweil abhanden gekommen; der Notar möchte doch die Güte haben,sie wieder hereinzubringen. Der Notar verschwindet und tritt alsbaldmit den Papieren wieder auf. Leider war dieZeit allbereit verflossen",sodaß er auf den andern Tag bestellt werden mußte. 20. September.Der Notar tritt seinen gewohnten Gang zum Römer an, nunmehr zumfünften male. Er erhält die Resolution: Schöffen und Rat hätten be-schlossen, die Psaltcrbücher aufsuchen und konfiszieren zu lassen. Manhabe damit den Frankfurter Buchhändler Thornhöffer und den Gcrichts-boten beauftragt. Der Notar geht ab. Der 21. September bricht au,geht hin, neigt sich seinem Ende zu, und alles bleibt still. Der Notar