Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 
  

272

6. Kapitel: Der Buchhandel.

sie auch bei Anwesenheit des Buchhändlers selbst angewendet wnrde, würdenwir nicht direkt zu belegen im Stande sein, darf aber wohl angenommenwerden. Dagegen bediente man sich des Markthelfers natürlich allgemeinzurKolligicrung" dessen, was man vorher persönlich geschrieben (bestellt)hatte. DieChangc zu kolligicren", das Geschriebene in natura zusammen-bringen zu lassen, galt ebenfalls als keine leichte Aufgabe. Ganze Tagemußte der geplagte Markthelfer dazu umherlaufen; bald traf er niemandenan, bald bekam er hier den Bescheid: man erwarte noch einen Ballen, dortgar: der gesuchte Artikel hänge noch in der Druckerei oder es fehltendoch noch einige Bogen, die man in diesen Tagen sicher erhalten werde,man werde alles zusammen ausliefern. Diesem und jenem Buchhändlersagte man wohl nach, er suche erst auf der Messe so viel Geld zu-sammenzubringen, um dafür seine neuen Artikel von der Druckerei aus-geliefert zu bekommend" Was übrigens die Bezahlung des Markthclfcrsbetrifft, so gab Nicolai 1760 dem scinigcn 6 Thlr. 8 gr. für eine Messe.Hatte man die Change empfangen, so wurde sie kollationiert und dannendlich gepackt. Das erstere mag oft genug sehr oberflächlich geschehensein sofern nicht die unvollständigen Meßcrcmplare des Lieferndenalle Sorgfalt nutzlos machten; das leidige Defektenwescn begleitet unsvom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Gerade das Verlangen und Wieder-erlangen der Defekte gehörte zu den wesentlichsten Stücken des frühestenzwischenmesscntlichen Buchhändlerverkehrs; einmal, Ende 17. Jahrhun-derts, schreibt ein Buchhändler ganz verzweifelt, man möge ihm dochendlich die schon wiederholt verlangten Defekte schicken, der Kunde habegeschworen, eher nicht einen Groschen zu bezahlen. Etwas anderes wares mit dem Restschreiben, das uns ebenfalls schon um die Wende des16. Jahrhunderts begegnet. Der Handel mit noch nicht vollständigenNovitäten gehörte eigentlich zum regulären Mcßverkehr.

Neben dem geschäftlichen Verkehr mit den Kollegen von nah und fernwaren es gewöhnlich noch so manche andere Geschäfte und Besorgungen, diedie Buchhändler in Leipzig mehr oder weniger in Anspruch nahmen. Eswaren einmal Arrangements mit Druckereien, Papierhandlungen, Autorenzu treffen; es waren sodann so manche persönliche Aufträge zu erledigen:mochte es nun sein, daß der dienstwillige Buchhändler Briefe und Päckchenzur Besorgung mit gen Leipzig genommen, oder daß er für einen seinerKunden ein Paar seidene Strümpfe einzukaufen übernommen hatte.