Empfang der Changc; Defekten, Restschreibcn, Abreise von der Messe. 273
Die Buchhändler waren von allen Mcßbcsuchcrn diejenigen, welche amlängsten aushiclten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hörenwir zwar, daß manche auswärtige Buchhändler nur zwei bis drei Tageanwesend blieben." Gewiß hatte der Verkehr damals noch einen ge-ringer» Umfang; trotzdem mögen das vielleicht besonders solche gewesensein, für deren Geschäftsbetrieb Leipzig ein bedeutender Markt »ebenandern Märkten war. Die Leipziger Meßreise im 18. Jahrhundert,namentlich in seiner zweiten Hälfte, wurde um eines so kurzen Ausent-halts willen nicht mehr unternommen. Wir hörten schon oben, daß Nicolaije vier Wochen aus den Besuch der beiden Leipziger Messen verwendete.Die Zeit von drei bis vier Wochen wird uns zu seiner Zeit auch sonstöfters als Durchschnittsdauer des Meßnufenthalts oder der Meßreisenangegeben. Die ersten Besucher machten sich schon zu Anfang oderMitte der dritten, der Himmelfahrtswoche, auf die Heimreise. Vielehielten noch um die Wende des 18. Jahrhunderts am altüblichcn Ab-reisetag: dein Freitag nach Himmelfahrt so fest, daß sie abfuhren, auchwenn die Geschäfte noch nicht beendet waren, die Beendigung demKommissionär überlassend. Andere wieder blieben bis zu Pfingsten, bisin die Pfingstwochc hinein, ja darüber hinaus. So konnten von derAnkunft der ersten bis zu der Abreise der letzten Mcßgästc wohl bis ansechs Wochen vergehen, und wenn jene die Mauern Leipzigs verlassenhatten, so waren diese vielleicht noch gar nicht eingetroffen; und daswurde im Interesse des Geschäftsverkehrs natürlich durchaus nicht fürerfreulich angesehen.^
Mit der Messe zugleich stockte die Büchcrproduktiou. Das großeGetriebe des deutschen Büchcrwcscnö war im ganzen wie ein riesigesUngeheuer, das iu regelmäßigen Pulsen ein- und ausatmet. In denersten Monaten nach der Messe standen die Pressen still — wenigstensfür den Lohndruck; die Drucker befaßten sich in dieser Zeit gern mitdem Drucke eigenen Verlags, um alsdann zum Druck fremden Verlagsdie Pressen frei zu haben. Oder der Mcßplatz glich einem großenSammelbecken, das regelmäßig gefüllt wurde, und aus dem sich nun dieWasser teils in kleinere und kleine Becken ergossen und von dort ausweiter verteilten, teils in Leitungen verschiedenen Lumens den deutschenHäusern unmittelbar zugeführt wurden.
Geschichte des Deutschen Buchhandels. II. 18