274
6. Kapitel: Der Buchhandel.
Wir wissen, daß sich der reguläre Geschäftsverkehr auf der Messezwischen den größern und großen deutschen Handlungen abspielte; es sinddurchschnittlich in unscrm Zeitraum etwa anderthulbhnndcrt. Ungefähr umPfingsten langte das Tauschgut, das die Auswärtigen in Leipzig erworbenhatten, bei ihnen am Platze an. Es kam darauf au, wie weit dieservom Meßplatz entfernt war; eine verhältnismäßig lange Frist verstrichdabei jedenfalls. Im Jahre 1785 war noch nm 4. November von denMeßncuigkeiten nichts in Güttingen eingetroffen"; 1772 war eineFracht von Leipzig nach Wien fünf Wochen unterwegs — das war aberdem Wiener Buchhändler denn freilich noch nicht vorgekommen.^
Becher erklärt im Politischen Diskurs (1668) summarisch: der Buch-händler bekommt gewöhnlich in der ersten Messe erstens den Druckcr-lohn herein, zweitens versticht er eine Partie, drittens aus dem Restmacht er Makulatur; d. h. er verkauft ihn an die „Hücker sHöker^ sKrämer ^ und Kartenmacher"." Ob der Buchhändler in der Blütezeitdes Tauschhandels so regelmüßig die Herstellungskosten bar hereinbekam,ist sehr zweifelhaft. Die Bemerkung ist trotzdem bezeichnend. Auf denAbsatz mehrerer hundert Exemplare eines Artikels auf der Messe konnteder Buchhündler bei der Natur des TauschvertchrS so gut wie mit Sicher-heit rechnen; und damit zusammenhängend galt, wofür wir auch soustso vi«le Anzeichen haben, die buchhändlerische Aufgabe eines Artikels imallgemeinen auf der ersten Messe für erfüllt. Womit der Buchhändleres nun aber zu thun hatte, das war jene mittlere Partie Bechers, dieer eingetauscht hatte.
Das Nächstlicgeude ist natürlich der Absatz am Platze. Der Laden war,an heutigen Ansprüchen gemessen, sehr bescheiden. Draußen das Firmen-schild: schwarz, mit güldeucn Buchstaben, so wird es uns für Leipzig beschrieben.^ Das Schaufenster vertraten nach altem Brauche „Tafeln"(oder „Bretter"), die man außen am Laden aushing, und an denen dieTitelblätter oder ganze Bogen und Bücher befestigt wurden, wenn mansie nicht einfach „an die Thür steckte". Wir dürfen darauf nicht lediglichals auf einen primitiven Zustand alter Zeiten zurücksehen; es entsprachdas der Form, in der damals das Buch erschien, genau ebenso natürlich,wie unser heutiges Schaufenster der Form des heutigen Buchs ent-spricht. Die französischen Bücher, namentlich die belletristischen, erschienenschon im 17. Jahrhundert meist geheftet, sogar in fabrikmäßig herge-