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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Absatz am Platze; der Buchladen,

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stellten Franzbänden, auch Holland kannte den Verlcgcrband; in Deutschland dagegen wurden die Bücher, soweit sie nicht aus Privathand in denBuchhandel zurückkehrten, fast nurin glois" oderroh", d. h. in un-gebundenen und ungehefteten Lagen verkauft. Wir hören allerdingsschon zu Ausgang des 17. Jahrhunderts, daß die Käufer in manchenStädten begehrten, die neuen Bücher im Buchladen gebunden kaufen zukönnen; unser Gewährsmann^ setzt aber selbst hinzu: dieses Verlangensowohl, als noch mehr seine Erfüllung sei Ausnahme. Schon der Meß-vcrkehr erstreckte sich ja auch auf gebundene Bücher, und aus den viel-fachen Streitigkeiten zwischen Buchhändlern und Buchbindern hinsichtlichdes Binderlohns geht zur Genüge hervor, daß es jederzeit Verlegergegeben hat, die Particartitel selbst binden ließen; es handelte sich indessendabei in der Hauptsache um die Buchbiuderware, um Gebet- und Gesang-bücher, Bibeln und Schulbücher u. dergl., während im übrigen dieBücher sogar aus dem Auslande in Bogenform bezogen wurden dieFrachtkosten hätten sonst geradezu unerschwinglich werden müssen; undbis etwa in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein hat derVertrieb der Bücher im rohen Zustande das Übergewicht behalten, fülltensie in verschnürten Packcten und Päckchen und in offenen Handstößcndie einfachen Regale der Buchläden. An Stelle des ganzen Buchsstand so für die Schaustellung, wo es sich nicht um kleine Broschürenhandelte, der Titel. Auch au den Mcßkatalog wurden die Titel öftersin ganzen Partien eingesendet offenbar doch um zur Verteilung zugelangen; und mag es sich dabei zunächst nur um den buchhändlcrischcnVerkehr gehandelt haben: so finden wir doch, daß in den Tischen derBuclMdcn besondere Schubfächer ganz mit alten Titelblättern vollgestopftwaren. Für eine solche Ausstellung der Bücher wäre ein Schaufensterheutiger Art Rauinvcrschwcndnng gewesen. Wenn in Geschäftsbriefen dieBezeichnungAuslage" gebraucht wird (1718 teilt ein Frankfurter Buch-händler seinem Geschäftsfreunde mit, daß ihmein Titul auff der auslagzu nichte gegangen"), so ist dabei nicht notwendig an ein Ladenschanfcnstcrzu denken, sondern kann damit die offene Auslage in der Bude gemeintsein. Im Innern an den Wänden, zuweilen auch im Mittcldurchzug, ein-fache, aber hohe Regale, in denen die Packete, Päckchen und offenen Hand-stöße lagen; eine Trittbank, eine kurze und eine lange Leiter, um an die

höher gelegten Stöße zu gelangen, an die Wände wohl außerdem noch

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