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6. Kapitel: Der Buchhandel.
Ansichtssendung ist von dieser Art, die Bücher zur Verfügung zu stellen, imGrunde nur eine andere Art. Wenn ein Berliner Buchhändler 1701 ineinem Gesuche um Errichtung einer Filiale in Güstrow verhieß, dem Fürsten und seinen Ministern alle lesenswerten Schriften gleich nach Erscheinen über-schickcn und vorlegen zu wollen^, so war das keine besondere Ausnahme.Ein Nürnberger Buchhändler bat 1716 einen seiner Kunden gelegent-lich einer Büchcrsenduug, die Bücher auch einem andern, den er nam-haft macht, zu zeigen und fügt hinzu, er könne künftig mit mehr dienen.Aus demselben Jahre haben wir die Ansichtsfaktur eines Hallenser Buch-händlers: „Zu besehen übersende . . welche 3 Bücher bitte wen sie nichtbehalten werden mit nechstem wieder zurückzusenden."^ Es liegt in derNatur der Sache, daß dabei der Gelehrte, wo es sich um einen solchenvon ihm gewünschten Verkehr handelte, die Auswahl der zu sendendenBücher im einzelnen in die Hand seines Buchhändlers legte, der so biszu einem gewissen Grade zugleich der wissenschaftliche Vertrauensmannseines Kunden war. Tissot in Bremen schrieb 1708 an Elers in Halle :„Und wenn sonsten ettwaß neues und recht gutes Von Ehymischen oderMcdicinischcn schriften Vorhanden wäre, ersuche es auch bey zu lcgen."^Neben den Buchlädcn gab es in Städten wie Hamburg „Avisen-buden" (Zeitungsläden); in (oder an) Wierings Zeitungsbudc konnteder Hamburger für einen halben Sechsling seinen Relationscourier lesen;zu kaufen kostete er das Doppelte.^' Hamburg ist übrigens für einenBlick in den städtischen Sortimentsbuchhandel unseres Zeitraums uochin anderer Beziehung von Interesse. Die ältesten Zeiten des Buch-handels, in denen auch der Buchführer möglichst dicht an den Stättender „Messe" seinen Kram ausbreitete, unmittelbar ins Gedächtnis zurück-rufend, ist Hamburg ein Typus derjenigen Buchhandclsstädte, in denensich diese Verbindung in unscrm Zeiträume auf das vollkommenste er-halten hatte. David Völckcrs (Ende 17. Jahrhunderts) wird nur Buch-händler „beim" hl. Geist genannt; Joh. Ad. Härtel aber (Ende 17. Jahr-hunderts) „Buchhändler in St. Nicolai Kirchen", Theod. Chrstph. Fclginer>i 1726) „Buchhändler in der St. Johannis-Kirche", Zach. Härtel (um1700), Joh. Chrstph. Kißucr (f 1735), Joh. Wolfg. Fickweilcr (biscirca 1730) „Buchhändler im Dohm".'" Fast alle Hamburger Buch-handluugcn hatten in der That ihren Stand im Innern der Kirchenund Kapellen selbst, besonders in der Nikolaikirche, der Domkirchc (in