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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Ansichtssendung. Zeitungsbudc. Buchlädcn in Kirchen. Vertrieb i, d, Umgegend.

der ja auch der ganzeDom", d. h. Weihnachtsmarkt abgehalten wurde)und den Klosterkirchen; Hamburger Blätter enthalten noch zu Ende des18. Jahrhunderts den Büchcrvcrkauf in den Kirchen betreffende Bücher-anzcigcn. Während der Predigt waren die Stände geschlossen; indessenkonnte man dabei doch die an ihnen angemalten Bücher bewundern unddie Firmen studieren. Als Uffenbach nach einem Epitaph suchte, fander ihn endlich in einem Buchladen.°2

Aber die Buchhandlung der Tauschzeit ist, was den Sortiments-vcrtricb angeht, nicht zu vergleichen mit der Sortimentsbuchhandlungspäterer Zeiten. Der Buchhandel, sagt Adrian Beier , istLand-Handel";die Kundschaft in der Wohnstadt macht den geringsten Teil seines Ge-schäfts aus, die Hauptsache ist, daß seine Bücherüber Land beschrieben"werden.^ Wir haben schon gelegentlich in andern: Zusammenhangebeobachten können, wie das Publikum seine Bücher zum Teil direkt aussehr weit entlegenen Buchhandelsstädten bezog. Königsberger Kundenbezogen z. B. aus Rostock: offenbar war ja der Transport von Leipzig nach Rostock und von dort, von Lübeck aus, aus dem Seewege billigerals der von Leipzig nach Königsberg zu Lande; es kam hinzu, daßdie Verbindung Lübeck Ostseestädte für den Handel überhaupt seitlange eine wohlcingebürgcrte war; darauf, zusammen mit seiner Be-deutung als Universitätsstadt, hat offenbar die gerade in dieser Hin-sicht wichtige Buchhandclsstellung Rostocks beruht: aus Rostock empfingja das damalige Königsberg auch seine besten Buchhändler. Solche aufden besondern Verhältnissen ihrer Lage beruhende außerordentlich weit-reichende Verbindungen haben damals viele Städte, im Binncnlande ander Spitze Frankfurt und Leipzig , in gcringcrm Maße aber alleBuchhandclöstädtc gehabt. Nun, und ähnlich der direkte persönlicheVertrieb. Selbstverständlich in der nächsten Umgebung. Im Herbstdes Jahres 1708 erschien beim Buchdrucker Lindinncr in Zürich einKalender in einer Auflage von ca. 2500 Exemplaren. Zu Ende desJahres waren noch etwa drei Dutzend davon vorhanden. Die übrigenwaren, berichtet er,nachcr Schaffhauscn, Stein, Wiutcrthur und vonden Böten in die benachbarte Ohrt herum vertragen worden".^

Aber der eigene unmittelbare Vertrieb des Buchhändlers erstrecktesich weit über die nächste Umgegend hinaus. Die Erscheinung desgrößern WanderbuchhäudlcrS, der mit Wanderlagern von Ort zu Ort,