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6, Kapitel: Der Buchhandel.
von Markt zu Markt zog, ohne daß sein Wohnplatz selbst für seinenBuchhandel von besonderer Bedeutung war, ist allerdings schon seit demEnde des 16. Jahrhunderts im Veralten; der Wanderverkehr beschränktesich mehr und mehr auf die Kleinhändler, während die größern Buch-händler ihren Handel am Platze und in den beiden Hauvtmeßplätzenverankerten. Aber noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sehenwir ansässige Buchhändler den, von ihnen selbst ausgeübten, Reisehandelaus das lebhafteste pflegen — nach jener alten Haupt- und Grundregel, dieein Schweriner Buchbinder-Buchführer im Jahre 1567 dem RostockerBuchdrucker wohlmeinend also vorhielt: „Merck, das euch dy bücher aufsgeringen fromm zu Rostock lygen, . . bücher wyllen gewart sein undmyt gereysct sein!"^ Ein Musterbeispiel des unermüdlich umherreiscndenBuchhändlers war Johann Francke in Magdeburg , f 1625. Der DienerSamuel Bremes in Helmstedt kam in denselben Jahren, in die FranckcsTod fiel, auf seinen Geschäftsreisen bis nach Königsberg in Preußen . °°Joh. Dav. Zunncr in Frankfurt a. M., dessen Sortiment nebendem von Clemens Schleich als eins der bestsorticrten in Frankfurt gerühmt wurde, war zwischen den Messen fast stets mit seinen Biicher-sässern auf der Reise; im Berufe des Reisebuchhändlers ist er auch ge-storben; als er im November des Jahres 1653 von Worms aus nachHeidelberg und weiter nach Speier ziehen wollte, ist er unterwegs er-trunken.^ Mericm in Frankfurt a. M. ließ bis 1650 so weit ent-fernte Jahrmärkte wie den zu Dresden besuchen.^ Und diese Art desVertriebs reicht auch weiter in uusern Zeitraum hinein. Für dendeutschen Durchschnittsbuchhändler der Tauschzcit gingen sicher einigeMonate im Jahre für Jahrmarktsbesuche auf. Martin Hallervord inKönigsberg (1643—1693) bereiste persönlich die Jahrmärkte zu Thorn,Danzig, Elbing n. s. w., und seine Diener drangen bis nach Schweden ,Livland und „anderen abgelegenen Orten". ^ Als sich 1683 Hcinr.Boye um ein Königsberger Buchhandelsprivileg bewarb, gab er znseiner Empfehlung an, daß er schon eine auswärtige Handlung miteigenem guten Sortiment besessen und jährlich die Frankfurter „undandern Messen und Jahrmärkte" besucht habe.^" Von Eckart inKönigsberg (1722—1746) wird uns dieselbe Gewohnheit des ständigenBesuchs der Provinzialmärkte berichtet."" Justus Augustus Fleischhauerin Wittenberg , der im Jahre 1727 Ratsherr war, wurde zu seinem