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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Marktbesuch. Zweiggeschäft, Kommissionslagcr.

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Ruhme einweit und breit herum gercißtcr, und wohl versuchter Buch-händler" genannt/'^ In Süddeutschland war der Besuch derDulten"(Jahrmärkte) das ganze 18. Jahrhundert so verbreitet, daß wir uns ein-zelne Nachweise ersparen dürfen. In Österreich scheinenMarktgerechtig-kcitcn" an einzelne auswärtige Buchhändler verliehen worden zu sein;der Buchhändler Joh. Ad. Schmidt in Nürnberg lauste um 1730 vonseinem Nürnberger Kollegen Trauttnerden ganzen Kram mit denenLinzer und Wiener Märkten".^

Auf den meisten solcher Märkte mag natürlich mehr oder wenigerzugleich ein Verkehr der Buchhändler mit kleinern Buchführern, Land-fahrern stattgefunden haben; einige aber trugen in besondcrm Maße denCharakter kleinerer Büchcrmeßvlätze, und ihr Besuch ist deshalb auchmit andern Augen anzusehen. Dahin gehören z. B. die NnumburgerPctri Paul-Messe, die sogar von den Gleditsch (z. B. 1699, 1711), Weid-mann (z. B. 1718, 1741), Lanckisch benutzt wurde, oder die PragerMärkte (Lichtmeß, St. Veits, St. Wenceslai), die bis ins 19. Jahr-hundert hinein z. B. von großen Nürnberger Handlungen besucht wurden.Zu beiden stellten die Buchhändler auch besondere Meßkataloge her (z. B.zur erstern I. L. Gleditsch 1699, und zwar schon Katalog Nr. XX",Lanckisch in Leipzig 1726^, zur letztern Lochner und Mayer in Nürn-berg um 1770^).

Aber auch den so erweiterten Vertrieb vom eigenen Geschäftssitze ausempfand der Buchhandel weithiu als unzureichend für die Verwertungsowohl seines Sortiments, wie seines Verlags. Zu dem Vertrieb vomHauptgcschäftssitzc aus trat die Gründung von Zweiggeschäften oder dieErrichtung von Kommissionslngcrn oder beides zugleich hiuzu. Selbstkleinere, auch weuiger auf Tausch eingerichtete Handlungen hatten zu-weilen drei, ja mehr Privilegien aufoffene Buchlädcn" in ver-schiedenen Orten. Die Güstrowcr Filiale eines Schweriner Buchhändlersist uns weiter oben begegnet. Auch Rüdiger in Berlin erhielt 1701ein Privileg auf je einen Buchlädcn in Güstrow und Schwerin ; inGüstrow cröffuctc er einenbeständigen Laden", Schwerin besuchte ervon Zeit zu Zeit mit seinen Büchern, und rings in der Sphäre dieserStädtebediente er die Geistlichkeit in Stäten uud Dörffern"; indessenhat er schon einige Jahre darauf seine Güstrowcr Filiale aufgegeben.^Johannes Schrcy in Frankfurt a. O. hatte seit 1681 eine zweite Buch-