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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Zweiggeschäft. Kommissionshandel. Verkehr zwischen den Messen vor 1648. 283

zu geben" von Dominikus v. Sand in Frankfurt a. M, speziell denVerlag betreffend. Auch hier von Seiten der Tauschhandlung Gehrhatte keinen Verlag die ähnliche Begründung:ein gantz Assortimentauff Louto zu nehmen, kompt mir etwas bedcncklich v. schwehr vor."Die Bedingungen:Bey Jährlicher abrechnung zahle das abgegangene(^ont,imt, nach abzug des raddatlls. so Sic belieben zu geben." Dabeierfahren wir von Sand, daß mehrere Handlungen in Frankfurt dergleichenEommissioncs hatten und damit gar gut fuhren, besser als mit dendem Kommissionär anvertrauten Meßlagcrn; übrigens zugleich ein deut-liches Beispiel für den Unterschied von (Meß-)Kommission und (Kon-ditions-)Kommission. Im Jahre 1715 erging ein gleicher Vorschlagvon Völcker in Frankfurt a. O. Er bot der Halleschen Handlungan, von ihren Verlagsbüchcrn in Frankfurt a. O.einen stgPölzulegen", von dem Völckerein gewißes vom Hundert pr. stuck, st 1a-dors" bekommen sollte. Er machte ihr Aussicht, jährlich von ihremVerlag für zwei- bis dreitausend Reichsthaler abzusetzen.

Aber damit sind wir schon zu einem neuen Gliedc in der geschlossenenKette dieser Zusammenhänge übergegangen: zu dem Verkehre zwischen denMessen neben dem Meßplatz und über den Meßplatz. Der Vertrieb an?Platze, durch Boten oder wie sonst in der nächsten Umgebung, durchJahrmarktbesuch in der Ferne, die Vervielfältigung des Stammgeschäftsdurch Zwciguicdcrlassungcn: die Fäden gehen hier überall unmittelbar voneiner der Hunderte von Handlungen zum Konsumenten. Betrachtet mannur diese Hunderte von Mittelpunkten mit den kürzern und längernStrahlen, die alle nur von diesen Mittelpunkten auslaufen: dann sind,ist die Messe einmal vorüber, alle Fäden zwischen den deutschen Buch-handlungen abgeschnitten. So war nun aber die Lage schon in unserinZeitraum durchaus uicht. Schon im 16. Jahrhundert wurde eindirekter Verkehr auch zwischen Sortiment und Verlag, wenigstens inbesonders dringenden Fällen und bei bedeutenden Posten und wenn essich um nicht allzu entfernte Verlagsorte handelte, durch besondere Fuß-noten hergestellt; Thnrncyscn in Berlin bezahlte 1574 einem Bücher -botcn 1^/4 ggr. für die Meile und als Warte- und Zehrgeld für vierzehnTage Aufenthalt vor der Abfertigung 20 ggr.'" Aber solche und ähn-liche Fälle waren Anfänge von geringer Bedeutung; und das Publikumwar deshalb damals zum gutcu Teil daran gewöhnt, seinen Büchcrbcdarf