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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Der Buchhandel.

von den großen Hauptmcßplätzen zu beziehen. Seine Klagen undBeschwerden, wenn das Erscheinen des Mcßkatnlogs sich verzögerte,weil dadurch der Bücherbczug erschwert, vielen sogar für die laufendeMesse abgeschnitten wurde, zeigen deutlich, wie sehr sich der ganzebuchhandlcrische Verkehr um die Wende des 16. Jahrhunderts noch aufdie Messe konzentrierte, sodaß es außerhalb derselben sogar im Brenn-punkte des deutschen Buchhandels schwer hielt, litterarische Bedürfnissezu befriedigen. Nun hielten ja schon damals in Leipzig und besondersin Frankfurt zahlreiche Buchhändler Verlagsnicderlngen. Aber nur inseltenen Fällen wurden diese Niederlagen als selbständige, offene Gewölbeverwaltet; die Regel war, daß sie zwischen den Messen geschlossenwaren. Außerordentlich bezeichnend für die Gestaltung und Entwickelungdieser Verhältnisse ist eine an das Publikum gerichtete Nachricht desFrankfurter Buchhändlers Paul Brachfcldt in seinem Ostermcßlatalogvom Jahre 1597:. . Demnach . . Frcmckfurth am Mayn . . desBuchhandels halben so daselbst in den Messen von allen Orten herogetrieben, inn der gantzen Welt in Berufs kommen, vnd hicrumb vielhohe vnd anders Standts Personen, nach gehaltener vnd zwischen denMessen jhre Lcut vergeblich, weil daselbst von niemand von allerlei)Materien offene Buchladen gehalten worden, dahin abgefertigct, damitaber hinfüro . . solcher vergeblicher Kosten vnd Reisen verhütet werde,Als habe ich für gut angesehen, einen wolbcsteltcn Vuchladcu daselbstzu Franckfurt am Mahn, auffzurichten, darinnc man allerlei) Materievn Bücher so viel möglich vmb die gebür auch ausserhalb deu Messenzusindcn wisse . ." Mit dem Beginne des 17. Jahrhunderts werdendann mehrere derartige Lager Frankfurter Buchhäudlcr erwähnt, besondersvon Clemens Schleich und Ioh. Dav. Zunncr d. Ä. Aber auch Auswärtigeließen um diese Zeit ihre Frankfurter Niederlagen als selbständige, offcueGewölbe verwalten; so in den 159« >cr Jahren die Vögclin, um 1600Albinus von Mainz, um 1615 Zctzner von Straßburg . Ob auf eigeneRechnung oder durch Kommissionär, ist nicht zu ersehen, es ist dasaber auch insofern von geringer Bedeutung, als wir aus den dreißigerJahren wissen, daß damals einzelne Frankfurter Handlungen mit Kom-missiousaufträgcn schon geradezu überladen waren (Ioh. Dav. Zuuner1635). Auch aus zahlreichen Büchcrtitcln der zwanziger Jahre des17. Jahrhunderts läßt sich ersehen, daß Frankfurter Handlungen mit