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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Niederlagen und Kommissionslager. ?ro uoviwts vor 1648.

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Verlagsvorrätcn auswärtiger, so Augsburger, Nürnberger, StraßburgerBuchhändler verschen waren; gegen Ende des Jahrhunderts hatten sichdiese Lager mehr und mehr gehäuft.^

Aber was ist mit diesen Beispielen nachgewiesen? Nichts weiterzunächst als das Bestehen eines von Frankfurt ausgehenden Kommissions-vertriebs, wie er in geringer»! Maße, aber in durchaus wesensgleicherWeise in zahlreichen andern Orten ebenfalls vor sich ging. Damit alleinwar der Meßplatz nur ein besonders günstiger Platz für den direktenBücherbczug des Publikums. Hierauf kommt es aber bei dieser Ent-wicklung nicht an, sondern darauf, daß diese Verhältnisse für den innernGeschäftsverkehr des Buchhandels zwischen den Messen ausgenutzt wurden.

Das Schema der EntWickelung m diesem letztcrn Sinne bestehtdarin, daß erstens von jenem allgemeinen Kommissionsvcrtriebc zweiLinien ausgehen: einmal der Gebrauch des Remitticrcns und sodanndie Auslieferung auf die Bestellung des auswärtigen SortimcnterS hin;und daß zweitens zu dem erstcrn Gebrauche zugleich eine andere, selbst-ständige Richtungslinie hinführt: die Sendung pro noviww.

Wir erinnern uns, daß die ältesten Spuren der zuletzt genanntenVerkehrsart sich bereits in der Reformationszeit fanden. Aber schon inder ersten Zeit der zweiten Hauptpcriooe, in der Zeit von 1564 bis zumBeginne des Dreißigjährigen Kriegs, hatte sie eine ziemliche Bedeutungerlangt. Wenn ein Leipziger Buchführcr durch Vcrmittelung von VögelinsLeipziger Faktor und von Vögclin selbst in Heidelberg dem BuchhändlerMatth. Harnisch in Neustadt (Pfalz ) am 1. November 1576 den Auftraggab, ihm etliche Ercmplarien eines zu Genf gedruckten Artikelsneben sonstenandern Newen ercmplarien etwas" zu schicken so war das keine eigent-liche Ncuigkcitsscudung: cs liegt zwar eine generelle Ncuigkeitsbczeichunngvor, aber die Sendung erfolgt auf unmittelbaren Auftrag. In den achtzigerJahren aber hören wir z. B., daß Franckc in Magdeburg dem LeipzigerHenning Große bei einer Sendungvnter andern büchcrn" auch 100Exemplare eines Prognostikonsmitteingeschoben" hatte. In demselbenJahrzehnt sandte Francke an Wittenbergcr und Leipziger Buchhändleroder später z. B. 1606 nach Frankfurt a. O. unverlangt und doch nichtfrachtfrei ganze Partien seiner Neuigkeiten, bis zu 100, ja 500 Exem-plaren; er fügte die Weisung hinzu, falls man ihrer nicht bedürfe, sieandern Buchhändlern, von denen er einige nannte, die vor allen zu bc-