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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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6, Kapitel: Der Buchhandel.

denken seien, zuvndergeben". In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahr-hunderts war diese Art des Vertriebs zwischen den Messen, nachweislichwenigstens im Bereiche des Leipziger Meßbczirks und hier wiederum fürdie sächsisch-thüringischen Universitätsstädte und Frankfurt a. O., schonallgemeiner buchhändlerischcr Gebrauch. Franckes Diener sagte 1620zeugcneidlich aus:So wäre auch der Buchhendelcr gebrauch, wann einOvus vndt wergk, vor eine Meße vorfcrtigct, vndt die Meße noch etwasweit hin were, daß Sie alßdann von solchem 0i>sre etliche Lxsinpleiia,vndt Alhier aus Magdeburg! gen Wittenberg !, Leipzigk, Jehna, Franck-furt an der Oder vnd sonsten an ander mehr vorschicketcnn." ^

Daneben stehen so manche andere Zeugnisse etwa aus gleicherZeit, die das Vorhandensein einer Geschäftsverbindung überhaupt auchin der Zeit zwischen den Messen darthun. Leipziger Buchhändlerver-schickten" in den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts einige, etliche,resp. sechsundzwanzig Exemplare eines Pamphlets. In der Schilderung, dieFranckes Advokat von dem Geschäftsbetrieb seines Klienten gab, ist dieRede von den Büchern, die Francke auf den Märkten verhandelt und einge-handeltoder Ihnen er eines oder das ander mahl geschickctt" habe.Im Jahre 1620 schlug in Leipzig der Hoffiskal vor, festzustellen, wasJauch in Lübeck den Leipziger Buchhändlern und Meßbesuchcrn von inFrage stehenden Nachdrucken bisherzugeschickt, und zugcsiihrctt" habe.Daß sich diese Sendungen, sicher zunächst im engern Leipziger Meß-bczirk, an den Weg über Leipzig gewöhnten, ist natürlich genug;Francke sandte 1615 aus Magdeburg nach Frankfurt, Augsburg undNürnberg über Leipzig ; ob während der Messen oder zwischen ihnen, durchden eigenen, zur Messe in Leipzig anwesenden Diener oder durch Kom-missionär, geht aus der Nachricht nicht hervor.^

Wesentlich ist es nun, daß wir aus dem Anfang des 17. Jahr-hunderts auch den Beweis dafür haben, daß die Verbindung der Nieder-lagen und Kommissionsbuchhandlnngen am Meßplatz mit der steigendenBeweglichkeit des Geschäftsverkehrs zwischen den Messen dazu zu führenbegann, daß daraus gestützt Provinzialsortimente sowohl die durch dasganze Jahr hindurchlaufende Beschaffung alles gewünschten Bedarfs alsauch den sofortigen Vertrieb der Neuigkeiten über ganz Deutschland hinauf sich nahmen. Gotthardt Vögclin in Heidelberg machte sich 1612in seinem Sortimentsbuchhandclsprivileg verbindlich, er wolle sowohl