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6. Kapitel: Der Buchhandel.
dieser Beziehung in allzu neuzeitlichem Lichte zu betrachten; wir müssenuns erinnern, nicht nur, daß eine in Frankfurt a. M. aufgcgcbeuebriefliche Bestellung in Prag erst am fünften, eine in Köln auf-gegebene ebendort erst am siebenten Tage eintraft, sondern auch, daßnach wie vor der Mcßverkehr die Hauptsignatur unseres Zeitraumsausmacht. Ein Würzburger Sortimcntskatalog vom Jahre 1650 sagt:„Auch so etwas von Lioncr und Pariser Bücher begehrt würde, wieauch in gleichen, so von vorhergehenden schon allbcreyt etwas abgangenwehre, kan solches alle halbes Jahr von Franckfurth wieder verschafftwerden" Die Homannschcn Erben in Nürnberg sandten im Juli 1741ein Freiexemplar eines bei ihnen herausgekommenen Schulbuches mit derBitte um Rckommandation an den Eiscnachcr Rektor Aviunasii, indemsie zugleich baten, auch „dasigen Buchhändler" darauf aufmerksam zumachen, der das Buch „auf der Michael Messe antreffen" werde sieforderten also nicht zur sofortigen Bestellung des fertigen Buches auf,weder beim eigenen Verlag noch durch den Sortimenter, sondern ver-wiesen auf die nächste Messe. Oder: wenn Bestellungen innerhalb desBuchhandels zwischen den Messen erfolgten, so wünschte man doch vielfachihre Erledigung, wegen der Spesen, ebenfalls erst mit nächster Messe.Unterm 18. August 1705 gab Cotta in Tübingen , unterm 1. August 1715Metternich in Köln a. Rh. einer Halleschen Buchhandlung Bestellungen auf,aber die Sendung sollte im letztern Falle erst zur nächsten Frankfurter Herbstmesse, im erstern zu dieser oder der Leipziger Michaclismessc er-folgen. Eotta gab dabei den Weg an: für die Sendung von Frankfurt aus durch seinen dortigen Kommissionär, für die von Leipzig aus durchdrei zur Auswahl gestellte Nürnberger Buchhäudlcr.^
Zwei Punkte waren es offenbar, die zur vollen Entwicklung desGeschäftsverkehrs auch zwischen den Messen erforderlich waren, und derenungenügende Ausbildung seine Entwickeluug hinderte: ausreichenderFrachtverkehr nicht nur zwischen den Hauptplützen und kräftigere Aus-bildung des centralen Kommissionswescns, namentlich der Auslieferungzwischen den Messen. Das erstere betreffend machten noch um das Jahr1800 Provinzialbuchhandlungen bekannt, daß sie von Haus aus außerden Messen nichts schickten, weil es ihnen „an Fuhren fehle" (z. B.Akademische Buchhandlung in Marburg , 1795^). Um so notwendiger wardie weitere Aus- und Durchbildung des centralen Kommissionswescns.