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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Der Buchhandel,

Verkehrs vom Centralplatzc aus und über ihn mehr und mehr ausbildete.Weit gefehlt also, daß das Kommissionsgeschäft sich natürlich innerhalbzweier Jahrhunderte in manchen Äußerlichkeiten verändert hätte, voneiner innern Entwickclnng aber nicht die Rede sein könnte, liegt geradein dieser innern Entwickclung die ganze Bedeutung der Geschichte desKommissionswesens für den Fortschritt der litterarischcn Versorgung,sodaß man nicht einmal unbesehen alle Fälle, in denen Kommissionär-verhältnisse vorliegen, aneinanderreihen kann, um die Geschichte desKommissionswcscns darzustellen, sondern danach fragen muß, welche derverschiedenen Seiten des Kommissionswesens dabei vorliegen. Gleditschz. B. ließ als Kommissionär 1703 für einen Stettiner Kommittentendie Kupferstiche zu einem Vcrlagsartikel desselben in Leipzig herstellenund leistete den Porschuß dazu. Oder vor der Leipziger Ostermesse 1707schreibt Joh. Maximilian v. Sand in Frankfurt a. M. an Elcrs inHalle, er solle Büchcrbestcltung und Nova per Einschlag (meist sagteman übrigens Bei- oder Einschluß) an Stock in Frankfurt a. M. senden,weil er, Sand, diese Messe nicht besuchen werde: Elers sollte also diefür mehrere Verleger desselben Platzes (Frankfurt a. M.) bestimmtenSendungen in Leipzig sammeln und, zur Ersparnng am Porto, zusammenverpacken und abschicken ähnliche Weisungen dann öfters, z. B. ausHamburg 1711, Tübingen 1723, Nürnberg 1727. Oder im November1717 berichtete der leipziger Kommissionär au Mieths Erben nachDresden über den Absatz iVerkauf) der vergangenen Michaclismessc; oderdie Waesberge in Amsterdam besuchten seit den 1720er Jahren dieLeipziger Messe nicht mehr, Buggel und Seitz in Nürnberg um 1730nicht regelmäßig und ließen sich durch.,(üowuii88in'iu8" vertreten und durchdiesen ausliefern. Das sind alles Fälle des Kommissionsgeschäfts uudVerrichtungen des Kommissionärs, wie sie wohl für die Stellung Leipzigs als des oder eines Mittelpunktes des Büchermeßhandels bezeichnend sind,aber nicht für die innerhalb dieses Büchermeßhandels beginnende Herr-schaft derjenigen Gestaltung des Kommissionsgeschäfts, die gerade mitberufen war, den Rahmen eben dieses Büchermeßhandels zu sprenge».Daß diese letztere Gestaltung des Leipziger Kommissionswcsens in derzweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bereits völlig ausgebildet gewesensei, wäre ja möglich, wie so manches, was wir nicht wissen können,möglich ist, wenn auch uuwahrscheiulich, wenn man die noch schwachen