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6. Kapitel: Der Buchhandel.
Sendungen um aktuelle Litteratur meist politisch- oder theologisch-pikantenCharakters — nachträgliche Verbote in Betracht^, und Meßgeschäftewurden ja in diesem Falle öfters rückgängig gemacht; im Changeverkehrmachte es auch wenig Schwierigkeit. Trotzdem ist man geneigt anzu-nehmen, daß gerade der genannte Charakter dieser Sendungen nur dazubeitrug, die Anerkennung ihrer schon in der Natur der unverlangtenSendung liegenden Remissionsbcrechtigung überhaupt zu verstärken. VonBedeutung ist deshalb in dieser Beziehung, und außerdem in der: daßdie Ncuigkeitssendung doch bereits über jenes besondere Gebiet hinaus-zuwachsen, also allgemeiner Gebrauch für jeden beliebigen neuen Artikelüberhaupt zu werden begann, ein Fall aus dem Jahre 1703; einBuchhändler aus Lemgo sandte unverlangt „zur Probe" acht Gesang-bücher nach Halle und fügte hinzu: „so die Gesangbücher nicht beliebig,wil ich selbe wol wieder nehmen." ^"^ — Merken wir vorläufig hieran, daß wir damit am Ausgangspunkte der einen der beiden Ent-wickelungslinien des Konditionsgcschäfts stehen. Wir möchten dazu andieser Stelle nur noch zwei Sätze aus einem kleinen in Leipzig erschienenenbuchhändlerischcn Schriftchcn vom Jahre 1728 anführen: „Ein berühmterBuch-Händler aus Nürnberg nahm 20. Stück pro noviww, schafftesolche mit nach München . . Es Marten kaum 4. Woche», verlangtedieser ehrliche Mann noch 20. Stück." ^ Er „nahm pro noviww";er „verlangte noch 20. Stück", der „ehrliche Mann": eine lobendeAnerkennung offenbar dafür, daß er nicht vielmehr die ersten zwanzigStück zurückgeschickt hat. Klingt das nicht schon wie: Er nahmg. eonclitioii; es gelang dem rührigen Manne, alles abzusetzen; er be-stellte nach?
In diesem pro novit^w-Vertrieb des oben bezeichneten damalsherrschenden Charakters nun spielte der Leipziger Buchhändler die Nolleeines Spediteurs, der die aus mehrern versiegelten und adressiertenPackcten bestehende Sendung an die Adressaten verteilte. Man kann viel-leicht schon den Ausdruck: daß ein Buchhändler aus Frankfurt a. O.eine Anzahl Exemplare einer Schrift nach Leipzig geschickt habe „undan viel Buchführer austhcilcn lassen", hierher ziehen (1678). Weiteredergleichen pro noviwte-Sendungcn über Leipzig sind solche vom Jahre1700 nach Dresden, vom Jahre 1705 aus Berlin nach Dresden und.aus Frankfurt a. M. nach Dresden, der Nicdcrlausitz und Schlesien ,