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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Konditionsgeschäft. ?ro noviwts. Reichsbuchhändlcrhandlungsart. 293

vom Jahre 1726 aus Berlin nach Dresden , vom Jahre 1736 ausFrankfurt nach verschiedenen Städten des Leipziger Meßbezirks-44 Packete in zwei Ballen.""

Das waren verheißungsvolle Anfänge, die freilich von einer Ge-pflogenheit innerhalb eines sehr beschrankten Litteraturgcbiets zu syste-matischer Bedeutung für die Organisation des Bücherbczugs und derBücherversorgung vom Platze aus über Leipzig erst dann werden konnten,wenn sie sich auf den Bücherverkehr überhaupt ausdehnten. Hier müssenwir wiederum einen neuen Faden anknüpfen, ebenfalls ohne ihn nochweiter zu verfolgen; und den wir in der Geschichte unserer nächstenPeriode bei der Schilderung der Bildung der neuzeitlichen Organi-sation, deren Anfange wir jetzt hier und dort auftauchen sehen, mitandern, sie zum Ganzen verwebend, wieder aufzunehmen haben werden.

Die Verbindung von Wohnsitz zu Wohnsitz, nicht nur auf jenemspeziellen Gebiete, sondern in dieser allgemeinen Bedeutung für den gegen-seitigen Geschäftsverkehr überhaupt, begann sich nämlich inzwischen be-sonders deutlich abseits von Leipzig , in dem seiner alten Centrale alspersönlichen Mcßhandelsplatzes immer mehr beraubtenReiche" zuentwickeln. Schon in den 1660er Jahren wird uns in Buchhändler-briefcn angegeben, daß zwischen Buchhändlern z. B. Prags und Nürn-bergs oder Prags und Frankfurts a. M. ein von den Wohnsitzen ausunterhaltener gegenseitiger Tauschverkehr bestand; es wurden dabei Bücherz. B. im Juni 1668 von Prag aus in Frankfurt a. M. bestellt undmit ehestem" beordert.^" Im Jahre 1723 schreibt der BuchhändlerPeter Langenberg in Köln a. Rh. an den Würzburger Buchdrucker Nie.Rausch und bestellt etwas von seinen Büchern. Rausch schickt sie ihm miteinem Begleitschreiben vom 24. Juliwie sie begehret worden": 4 ger-trauden bücher, 2 baum-gartcn, 2 lilgen garten, 12 gnaden-brunnen;er übersendet zugleich eine Spezifikation, seiner Bücher zu weiterer Wahlund Bestellung, teilt mit, daß er sich nach und nach noch mehrere Gebet-bücher anschaffen werde, und rekommandiert seine fertigen und demnächsterscheinenden Kalender."^ Es ist der Beginn derReichsbuchhäudler-handlungsart". Wir können voraussehen, daß hierbei, je mehr dieseHandlungsart den ganzen beiderseitigen Geschäftsverkehr ergriff, bei demFehlen des persönlichen Austauschs desto leichter und fester das Remis-sionsrccht sich einführen mußte. Aber lassen wir uns für jetzt mit dem