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6. Kapitel: Der Buchhandel,
tragen"; und daß junge Firmen speziell darauf basiert werden konnten:„es ist bekannt," sagt der Leipziger Buchhändler Friedr. Math. Friese,der sich 1734 etablierte, im Jahre 1737, „daß ich ein junger Anfänger,der durch Bedienung anderer Eommissionen mich rceommandieren undmein Brodt verdienen muß." In einem Verlagskatalog von Fr. Gotth.Jacobeer in Leipzig etwa vom Jahre 1750 sind von der Hand einesGleditsch die Kommittenten Jacobeers und die Bemerkung: „liefert aus"bcigcschrieben. Daß diese Bedeutung sich auch aus das Reich, also aufdas ganze deutsche Buchhandclsgebiet erstreckte, geht u. a. schon ausder Schilderung Varrentrapps hervor; ferner z. B. daraus, daß, alsim Jahre 1745 ein kaiserlich privilegierter Frankfurter Nachdruck einessächsisch privilegierten Originals erschien, sodaß also letzteres in Frank-furt a. M. und „Kaiserlichen Landen" verboten war, die Gesamtheitder Leipziger Buchhändler erklärte, keine Leipziger Buchhandlung könne„wegen ihrer auswärtigen Negotien nach Franckfurth am Meyn und indie Kcyserlichen Lande, der Franckfurther Lditivn entbehren".
Das immer dichtmaschiger werdende Netz immer besser verknüpfenderVerbindungsfädcn, das der deutsche Buchhandel, dem Gesetze seinereigenen Natur folgend, aus sich hcrausspann, im eigenen wirtschaftlichenInteresse damit dem geistigen Leben der Nation immer besser dienend,würde weder möglich noch genügend gewesen sein, wenn sich nicht gleich-zeitig das Büchcrvcrzcichniswcscn entsprechend entwickelt Hütte.
Die Entwicklung des Katalogwesens ist mit der des Geschäftsverkehrs,der Organisation überhaupt, auf das genaueste verbunden. Auch in ihmdrückt sich deshalb die geschichtliche Stellung unseres Zeitraums auf dasdeutlichste aus. Erste Ansätze in der ersten Hauptperiode (bis 1564);fest gefügte Grundlagen, die der ganzen zweiten Hauptperiodc gemeinsamsind; auf ihnen in ihrer ersten Unterperiode (1564—1664) neue Ent-wicklungen, die zwar in der ersten Hauptperiodc schon angedeutet sind,sich aber nun erst auszubreiten beginnen, und die in ihrem Wachstumdurch das Zeitalter des Dreißigjährigen Kriegs gehemmt werden; nunin der zweiten Unterperiodc, eben in unserm Zeitraum, ein neuesWachstum dieser neuern Gebräuche: Wirkungen und ihrerseits Fördc-rungSmittcl der Festigung und Vertiefung des berufsmäßigen Buch-handels, der steigenden Ansprüche des litterarischen Bedürfnisses.