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6. Kapitel: Der Buchhandel.
heißt es: „das alle puechfierer ire indices aus den Messen in die Cantzleigeben"; auch diese Bestimmung aber wurde schon damals nur aus der„vorig Pflicht und ordnung, darinn under anderm auch das verlcipt ge-wesen," übernommen.^" Wie auf dem Gebiete der Zeitung die ge-schriebene Zeitung, so hat sich auch auf dem des Katalogs, wenn nichtdes „gemeinen Index" (Meßkatalogs), so doch des „sondern Zettels"(Sortimentskatalogs) der geschriebene Katalog bis weit über den Beginndes gedruckten hinaus erhalten; geschriebene Kataloge nicht nur im Dis-putationshandcl, sondern auch von Buch- und Kunsthandlungen werdenwir noch zu Ende des 18. Jahrhunderts finden.
Wenn man das Katalogwesen nur nach den erhaltenen Druckkatalogendarstellen und beurteilen wollte, so würde man sich also dasjenige min-destens der ersten Periode, aber auch noch der Zeit bis in den Dreißig-jährigen Krieg hinein ebenso richtig oder unrichtig vorstellen, wie wenn mandas Zcitungswesen mit der gedruckten Wochenzeitung anfangen lassen wollte.
Im Jahre 1564 ist der Frankfurter, im Jahre 1594 der LeipzigerMeßkatalog entstanden: es ist gcnan dieselbe Zeit, in die uns auch dieältesten Spuren der regelmäßig erscheinenden gedruckten Zeitung zurück-führten. Es werden also auch dieselben allgemeinen Gründe gewesensein, die beiderseits zu der Wandlung führten. Handschriftliche Zeitungenund Kataloge: kleine Auflage, hoher Preis! Deshalb eine geringereVerbreitung: teils weil eine größere Verbreitung noch nicht Bedürfniswar, teils — beides steht jederzeit und überall in bestimmter Wechsel-wirkung — weil sie auf diesem Wege nicht möglich war. Die Katalogewurden mehr und mehr verlangt, und um in eigenem Interesse sowohlder steigenden Nachfrage zu genügen, als auch ihre weitere Steigerungzu unterstützen, mußte man, wie Henning Große damals sagte, demPublikum „die Kosten trüglicher" machen.
Neben den handschriftlichen Verzeichnissen gab es seit alters gedruckteAnschlagbogcn und Plakate, auf denen die neuen Bücher verzeichnet waren.Das waren die „Neuen Zcitungcu" in der Geschichte des Katalogwesens.Den ersten Katalog — mit Sortimentsbüchern vermischten Verlags-katalog — hat Aldus ^2 unterm 22. Juni 1503 gedruckt: er faltetedas Anschlag-Folioblatt in vier aufeinanderfolgende Kolumnen. DasBlatt selbst gab die Veranlassung zu der Neuerung an. Sie war unterdem Drucke der Nachfrage erfolgt: das Verzeichnis sollte Aldus wegen