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6. Kapitel: Der Buchhandel.
Katalog erschien, der Gelehrte die allgemeine Bibliographie begründet:in den Jahren 1545—1555 erschienen in Zürich die vier FoliobändcConrad Gesners, des Vaters der reinen allgemeinen Bibliographie: dieUniversalbibliothek (1545), die 21 Bücher Pandekten (1548), die Par-titiones tlisoloZieas (1549), der Appendix (1555).
Die Klagen über die — in seiner Natur notwendig begründeten —bibliographischen Mängel des Mcßkatalogs begleiten uns durch alle diedrei Jahrhunderte hindurch, wahrend deren er bestanden hat, und darüberhinaus. Die erschienenen Schriften verzeichnete er nicht vollständig, under verzeichnete andrerseits Schriften, die nie erschienen. Aber selbst wenner diese Mängel nicht gehabt hätte: wer konnte sich an der Hand dieserMesse für Messe als in sich abgeschlossen erscheinenden Kataloge über dieLitteratur von Jahren, Jahrfünftcn, Jahrzehnten, geschweige Jahrhundertenorientieren, Spezialgebiete überblicken, bestimmte Schriften auffinden?Wer sie zu dergleichen Zwecken Hütte benutzen wollen, Hütte es nicht einmalgekonnt, weil er sie nicht zur Verfügung gehabt Hütte. Ein Hallenser Professor des 18. Jahrhunderts verglich aus beiden Gründen die Mcß-katalogc mit Leichensteincn, die „mit der Zeit unleserlich, zcrstückt undzerstöhrt werden". Er setzt hinzu, sie seien vielleicht nirgends mehr invollstündigcr Folge anzutreffen; er selbst habe sie in keiner Bibliothekgefunden.'^ Als die wichtigsten, die Müngel der periodischen Meß-bibliographie ersetzenden Werke aber nannte er diejenigen von Glcß undDraudius. Er setzt hinzu: Glessius und Draudius Hütten „vornehmlichauf Veranlassung einiger Buchhändler" die Meßverzeichnissc zusammen-geschrieben. Eine richtige Bemerkung. Der Mcßkatalog war einperiodisches allgemeines Novitätcnvcrzcichnis; aber er bildete nun anchdie Grundlage einer neuen zusammenfassenden Bibliographie, die ver-mehrten Auszüge aus und Supplemente zu dem alten Gcsner — zuletztZürich 1574 und 1583 und Lyon 1585^^ wiewohl sich noch weitspäter gelehrte Nachtrüge dazu finden iJoh. Fabricius, Wolfenbüttel 1719;G. H. Welsch in I. G. Schelhorns ^niosnit. liwr. '1?. VI., 1727) —auf dem deutschen Büchermärkte in das Dunkel der Vergessenheit ver-sinken lassend; und die ersten so entstandenen Bibliographien sind in derThat, wie der Mcßkatalog selbst, vom deutschen Buchhündler ausgegangen.
Die erste rührt noch vom alten Georg Willer (f 1593) selbst her: eindreibändiges, die Jahre 1564—1592 umfassendes Handbuch, betitelt: