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6. Kapitel: Der Buchhandel.
Es wurde schon oben bemerkt, daß die Kataloge auch gebundene Bücherverzeichneten. Wir müssen dabei zwischen den Halbjahrs- und denUnivcrsalkatalogen unterscheiden. In den erstern folgen sie gewöhnlichals besondere Abteilung nach und machen einen recht kleinen Teil aus:etwa vou vier- bis fünfhundert Titeln ein oder zwei Dutzend. Ganzanders aber in den Univcrsalkatalogen. Der erste Band desjenigen vonMeißner in Wolfcnbüttcl (1767; 3 Bde.) zählt z. B. 11279 Num-mern, und davou waren ca. 4000 nur gebunden vorrätig. Der Nni-vcrsalkatalog war eben zugleich Antiquarkatalog. Der Hauptbcstaudteildieser antiquarischen Werke stammte gewöhnlich, unmittelbar oder mittelbar,aus den Bibliotheken der Gelehrten. Die Verzeichnisse der Bibliothekenverstorbener Gelehrten machten denn auch den Hauptbestandteil der reinenAntiquarkataloge aus; zuwcileu iu holländischer Art mit laufendenliterarischen Vermerken versehen: so die durch Seltenheit, Auswahl undEinband glänzende „Lidliotl^ek ^.nonz'miarm " fast aller Fakultäten,deren Katalog 1738 in Joh. Ad. Schmids Buchhandlung in Nürnberg erschien. Indessen gaben auch die Buchhändler zuweilen einen besonder»Katalog ihrer antiquarischen Lagcrartikcl heraus; so die SaurmannschcBuchhandlung in Bremen 1720, Thom. Fritschs Erben in Leipzig 1730,G. Pet. Monath in Nürnberg 1759 (zwölf Bogen). Der Michaclismeß-Katalog 1699, Nr. VI von Chrstph. Hülße in Leipzig , Fol., verzeichnetzunächst 102 ungebundene Nummern, dann folgen unter der Überschrift„I^idri eowpaeti ^ ca. 420 Nummern. In der gleichen Art wie dieletztere Überschrift folgen dann die Überschriften „In Hrmrw", „InOetg-vo", „In Ouoäeeiino", „I^idri ^.nglioi", „I^ibri Iwliei", „I^idriKaUiei". Die darunter verzeichneten Bücher sind sämtlich ebenfalls alte,zum Teil sehr alte, waren also offenbar alle gebunden; der Katalogverzeichnet unter letzterer Voraussetzung insgesamt ca. 800 Nummerngebundener Bücher.
Die Lagcrkataloge geben damit ein Bild des damaligen Antiquariatö-buchhandcls und seines Verhältnisses zum Sortimcntshandel. Es ent-spricht ganz der Gcsamtvcrfassuug des damaligen Büchermarkts, undwie uberall, so zeigt sich auch hier, wie unmittelbar und genau Organi-sation und littcrarisches Bedürfnis zusammenhängen. Von einer solchenWeiterbildung, Hohcrbildung, aber wenn man will und bis zu einemgewissen Grade auch Verbildung, daß der Buchhändler das fast aus-